Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 22.01.2006

Reisebericht


Dietrich Glaus
M/S "Albatros", Phoenix Reisen
20.12.2005 - 03.01.2006, Weihnachts- und Silvesterreise Hamburg - Malaga


Bericht über die 1. Reise der MS "Albatros" nach der 3-monatigen Werftüberholung

Der Autor:

Dietrich Glaus , Dipl.-Ing. 66 J. gelernter Masch.-Bauer (auf einer Hamburger Werft), seit 1976 aktiver Segler


Bisherige Seereisen:

1958/61 20 Monate Fahrzeit auf Tender "Oste" (Marine)
1995 Frachtschiffreise "Bremer Reeder", Bremerhaven - Oslofjord - Bremerhaven.
1996 Mit eig. Boot , Bremen-Mariehamn-Stockholm- Götakanal-Kopenhagen-Bremen
1999 MS "Lofoten" , Bergen - Kirkenes. Rückreise mit "Kronprinz Harald" Oslo-Kiel
2002 TS "Albatros" , Bremerhaven - Spitzbergen - Bremerhaven
2003/04 TS "Maxim Gorki" Bremerhaven - Bremerhaven . 31. Weltreise der "Maxim".
2005/06 MS "Albatros" . Hamburg - Malaga . Weihnacht- u. Sylvesterreise .

Der Autor bekennt sich gleich zu Anfang zu seiner starken Bindung zur TS "Maxim Gorki". Die 4 1/2 Monate auf der "Maxim" haben deutlich Spuren hinterlassen. Der "Virus" sitzt tief.

Trotzdem gibt es z.Zt. nach meiner Meinung nach auf dem deutschen Kreuzfahrt-Markt kein Schiff, dessen klassische Linien schöner sind als die der "Albatros"!

Bevor das Schiff zu Phönix kam, ist es auf geradezu grausame Weise vernachlässigt worden. Einige äußere "Wunden" werden wohl immer sichtbar bleiben.

Bei Blohm&Voss ist in diesen 3 Monaten nicht nur die Schönheit restauriert worden. Das Schiff ist technisch fast völlig entkernt worden:

7 neue Nebenaggregate (Hilfsdiesel) sind eingebaut worden . Dazu 4 neue Hauptmaschinen, raucharm trotz Schweröl-Betrieb. Alles auf Schwingungsdämpfern gelagert. Geblieben sind die Antriebswellen mit ihren Verstellpropellern , d.h. die Antriebsmotore laufen immer eine Richtg. Fahrtstufe und Fahrtrichtg, voraus/zurück wird über die Verstellpropeller geregelt. Keine Werft der Welt würde eine intakte Wellenanlage ohne zwingenden Grund auswechseln.

Ebenfalls neu ist das gesamte Steuerungssystem der Technik (davon wird noch die Rede sein)

Die Steuerstände auf der Brücke sowie auf den Brückennocks sind neu. Die gesamte Masch.-Anlage wird von einer sehr modernen Steuerungszentrale bis ins kleinste Detail überwacht.

Selbst bei Volllast sind keine Vibrationen zu spüren oder Maschinenlärm zu hören. Dabei ist das Abgas am Schornstein kaum zu erkennen (ooh Maxim !) Soweit ein Auszug der Veränderungen.

Zum Äußeren:

Die "Sünden" der Vergangenheit s.o., sind weitestgehend behoben worden. Deck 10 bekam während der Reise noch einen filzigen Kunststoffbelag. Auffällig sind die vielen hölzernen Handläufe. Die paar Macken im Teakdeck fallen kaum auf. Das Schiff strahlt überall.

Traumhaft (zu der Laufruhe der Motore) sind die "Rundlauf" -Möglichkeiten auf den Außendecks. Welches Schiff bietet diese Auswahl, außen ums Schiff zu gehen, die An/Ablege-Manöver zu beobachten, dabei schnell mal auf der anderen Seite zu prüfen was der Schlepper macht. Oder von Deck 10 mit dem Kapitän "Manöverkritik" zu üben (dazu später).

Innen macht das Schiff einen gepflegten Eindruck. Einiges ist neu, z.B. sind alle Kabinentüren neu und mit Magnetkarten-Öffner versehen. D.h. der Bordausweis ist auch "Zimmerschlüssel". Einige Außenkabinen sind renoviert, der Rest soll folgen, (muss auch, da einige Matratzen den Ruhestand verdient haben).

Ein Vorteil sind die vielen Aufenthaltsräume ( Lounges und Bars ), trotz Vollbelegung auf dieser Reise gab es kein Gedrängel, überall war reichlich Platz. Ausnahme der Musiksalon, hier herrschte das alte Unwesen: "Nein hier ist besetzt" und das galt dann auch für mehr als nur einen Tisch ! Appelle alleine nützen gar nichts.

Aber das wird wettgemacht durch die Entspannung in der Karibiklounge - hier kann man mit oder ohne Getränk aufs Meer schauen (voraus, zur Seite wie es beliebt).

Ein bauliches Manko ist m. E.: Wer vom Pool/Lido- Deck ins Schiff will, muss durch den Musiksalon. Dort üben dann die Künstler und sind darüber sicher nicht so glücklich. Trotzdem ist das Achterschiff mit seinen vielen, jederzeit zugänglichen Außendecks wunderschön.


Die Reise:

Sie stand unter keinem so ganz glücklichen Stern: Statt Nizza wurde rel. kurzfristig Hamburg. als Ausgangshafen gewählt. Statt des 22.12 war es dann der 20.12 (2 Tage mehr zum gleichen Preis!) Wer das nicht konnte, musste dann in Vigo zusteigen.

Abfahrt dann von der Werft - auch mal interessant - geplant 16 Uhr. Nach einigen Verschiebungen legten wir am 21.12 um 06:25 ab! Einer der Gründe oder der Hauptgrund: Das Tankboot hatte minderwertiges Schweröl geliefert (fehlende Additive) Tests mit diesem Öl ergaben völlig inakzeptable Leistungen. Erst eine externe Analyse brachte Sicherheit. Somit mussten 900 to. Schweröl auf Pumptemperatur ca. 60°C gebracht und abgepumpt - und natürlich neu gebunkert werden !

Wer diese Verzögerung zu vertreten hat ist Spekulation Die Werft, die Lieferanten , die Software-Experten? Fakt ist: Der letzte Techniker ging mit dem Elblotsen in Brunsbüttel von Bord!

In der Nordsee begann dann die "Aufholjagd"; bis Vigo liefen die Diesel Volllast. In der Biskaya sieht man nicht alle Tage Delfine, diesmal schon. Einlaufen in Vigo am 23.12 um 23:00 Uhr. Hier kamen die restlichen Gäste an Bord. Die Landausflüge mußten entfallen; für uns nicht weiter schlimm. Wie ja bereits oben erwähnt, bekamen wir zwei Tage geschenkt. Trotzdem hat eine Gruppe verlangt, Phönix solle sie nach Santiago de Compostella bringen und mit dem Flieger wieder an Bord bringen. Nur wegen dieses Besuches habe man die ganze Reise gebucht… Ab Lissabon galt der bekannte Plan, alle Ausflüge fanden statt, auch unser Bummel durch das weihnachtlich toll geschmückte Zentrum. Fahrstuhlfahrt incl..

Seetage sind für den Autor immer Glückstage, vor allem wenn das Wetter mitspielt. Wer will, kann immer etwas Neues sehen - siehe Delfine in der Biskaya.

Der Besuch in Marakesch war schon wegen der Souks (riesig) ein Erlebnis.

Die Kanaren sind nicht nur für den Neuling sehr interessant. Abwechslungsreich sowohl in Größe, Topographie, Bewuchs und Charakter. Geplant war der Besuch von Lanzarote, Gran Canaria, La Gomera und La Palma.

Der Besuch von Gomera musste wegen Seegang abgesagt werden, was vorhersehbar war!! Warum man aber bis fast nach Gomera gelaufen ist, um dann die ganze Strecke wieder zurück zu laufen um Mittags nach Sta. Cruz Teneriffa zu kommen, ist für den Autor nicht nachvollziehbar.

Die "Beinahe-Katastrophe"
Im Laufe der Zeit hatten sich, wie nach Umbauten und neuen Anlagen nicht unüblich, einige Fehler und Schwachstellen eingestellt. Das größte Problem waren die Pannen/Fehler in der Steuerungstechnik (Software).

Die Lieferfirmen hatten, wie ich später erfahren habe, es abgelehnt, ihre Techniker über Weihnachten/Neujahr mit auf "Jungfernfahrt" zu schicken. Es ist zwar beim Kauf der Leistungen darüber gesprochen worden, nur nicht vertraglich festgelegt! Eine der Auswirkungen war: die Antriebsmotore mussten nach einiger Zeit "von Hand" eingekuppelt werden.

Das schadensfreie Anlegen in Sta Cruz, ist nur der Erfahrung, Geistesgegenwart und dem schnellen u. konsequenten Handeln von Kpt. Werner Detampel zu verdanken! Beim Wendemanöver im Hafenbecken versagte die Steuerung. Ein Antrieb lief voraus, der andere zurück, nicht unbedingt ungewöhnlich wenn die Richtung stimmen würde. Beide hätten gestoppt sein sollen! Eine Ramming mit der Pier wurde nur durch Werfen beider Anker verhindert!! Das Schiff drehte über Bb.-Bug also sollte der Bb.-Anker fallen - tat er aber nicht, weil erst der 3.Vorschiffsmann den Bb.-Kettenstopper lösen konnte ! Deshalb wurde auch der Stb.-Anker geworfen. Dieser Anker hielt dann und stoppte die Bewegung Richtung Pier. Wie weit das Vorschiff über die Pier ragt - siehe Foto.

Dank Schlepper, der Bugstrahlruder und der inzwischen gestoppten Maschinen kam die "Albatros" mit Bug voran längsseits der Pier. Der Bb.-Anker wurde, weil nicht wirksam, eingeholt.

Die Hafen-Leinen-Gang kam per Auto angebraust da ein anderer Liegeplatz geplant war. So haben Herr Detampel und der Stb.-Anker uns vor einem vorzeitigen Abflug Richtung Heimat bewahrt. Wer hat jemals, ein an der Pier ordentlich festgemachtes Schiff, mit gesetztem Ankerball gesehen ? Siehe Foto.

Kommentar des Kapitäns: "Das Schiff ist wie meine Frau, die tut auch nicht immer was ich sage".

Des Dramas 2.Teil begann um 21 Uhr. Zwei Schlepper bugsierten das Schiff etwa über den im Hafen liegenden Anker. Mehrere Versuche den Anker mit der Ankerwinsch aus dem Boden zu bekommen, schlugen fehl. Auch Schleppermanöver den Anker auszubrechen klappten nicht. Erst nachdem sich der Kapitän entschlossen hatte , mit beiden Antrieben langsam rückwärts den Anker auszubrechen ( beim 2.Versuch) konnte die Winsch den Anker heben. Aber damit immer noch nicht genug: Auf dem Anker lag auf der einen Flunke ein riesiger Stein und auf der anderen ein großer Gummireifen. Da das Schiff nach ca. 1:20 Std. Manöver den Hafen freimachen musste, wurde der Anker mit Stahlstropps gesichert. Nach kurzer Fahrt draußen auf See waren die Stropps gerissen und der Anker sackte ab Die Winsch hat das "Zusatzgewicht" nicht gehalten. Dabei drehte sich der Anker im Wasser und verlor seine "Blinden Passagiere". Rest war Routine.

Über La Palma ging es dann nach Funchal/Madeira.

Das berühmte Feuerwerk von Funchal ist von See her besonders beeindruckend. Deshalb waren auch 12(!) Kreuzfahrer dort. Neben der "Queen Elisabeth 2", sogar die "Maxim" ! Da die "QE 2" und die "Aurora" nach Mitternacht den Hafen verließen, machten "Albatros" u. "Maxim" direkt hintereinander dort fest. Für uns völlig überraschend, das hatten wir "verpennt". Ohne Frühstück ging es auf die "Maxim", ein Besuch war mit unserem Bordausweis problemlos möglich. "Unsere Elena" hat uns sofort einen Kaffee serviert - wir waren wieder "zu Hause".

Nach leider nur einem Seetag war in Malaga, nach dem Mittagessen, diese Seereise mit ihren kleinen Hindernissen, zu Ende.

Ausdrücklich erwähnt werden muss, das Phönix für all diese mehr oder weniger kleinen Pannen nicht verantwortlich ist!

Trotzdem hat Phönix sich entschlossen, als Bonbon, jedem Passagier einen Tagessatz in bar zu zahlen, oder bei einer späteren Buchung bei Phönix zwei Tagessätze Bonus zu erhalten in der dann gebuchten Kategorie . Eine großzügige Regelung, da meines Erachtens uns - außer Compostella- nichts entgangen ist.

Ohne einen Kommentar zur Küche geht es leider nicht!!

Hier sehe ich für Phönix sofortigen, vor allem umfassenden Handlungsbedarf!

Hier stimmt vieles nicht. Es beginnt mit der Planung. Nach 5 Tagen gibt es keine Tomaten , nach 7 Tagen fehlen auch die Gurken an der Salatbar. "Frisch" war nur der grüne Salat, dazu Oliven und Zwiebelringe.

Mal war schon bei der Bestellung der gewünschte Fisch alle, mal die Linsensuppe. Das Essen war oft - wie auch der Kaffee am Morgen - lauwarm.

Der Gipfel: Essen vom Vortag(e) wurde, anders zubereitet, als Vorspeise an der Salatbar angeboten! Sowohl Fleisch wie auch Gemüse. Brokkoli gab es zu den meisten Gerichten und einen Tag später an der Salatbar!

Die Portionen der Hauptgerichte sind zu groß. Was soll ich mit 5 (!) Scheiben Schweinebraten? Hier wird Geld vergeudet das z.B für den Einkauf von frischem Obst (gab es nur ganz wenig) nötig wäre!

Der "Frische Obstteller" als Nachtisch (Nr. 13), bestand 2 Wochen aus 3 dünnen Scheibchen Melone, Grün-Gelb-Rot, 3-mal in 2 Wochen dazu ein kleines Stückchen Mango (hart). Obst war Mangelware . Nur wer als erster kam, hatte eine Chance, eine Banane oder Orange zu bekommen. Wer sich als Nachtisch Obst holen wollte, stand vor leerem Tresen.

Die Köche können weder mit Fleisch (Trocken weil zu lange gegart), noch mit Fisch umgehen (auch trocken, muss aus der Umhüllung - Käse oder Panade - herausgekratzt werden).

Weder zu Weihnachten noch zu Sylvester gab es ein Festtagsessen. Lediglich am Abend vor der Ausschiffung gab es ein "Magnific"- Essen. Zu dem Zeitpunkt wollten die meisten ihre Koffer packen. So musste die Gala-Garderobe als letztes verpackt werden. In der 1. Sitzung waren ca. 10 min. nach Einlass die Krebsschwänze alle und wurden auch nicht mehr nachgelegt. Dafür war der Graved Lachs sehr gut. Sehr gut war auch der Kabinenservice und der Service im Restaurant (hier könnten die jungen Damen von Phoenix noch lernen).


Resümee:

Eine Weltreise mit diesem Schiff: Gerne. Vor allem mit diesem Kapitän, aber der übernimmt demnächst die "Amadea". Aber bei dieser Küche - undenkbar!

Dietrich Glaus
dietrich.glaus@t-online.de


Copyright 2006 © Dietrich Glaus