Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 28.01.2001

Reisebericht


- Exklusiv -
M/S "Norwegian Sky", Norwegian Cruise Line

4./5. August 1999, "24-Stunden-Sonderkreuzfahrt"


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Am 4./5. August war es mir möglich, auf der allerersten Kreuzfahrt der M/S "Norwegian Sky" der Norwegian Cruise Line, einer 24-Studen-Sonderkreuzfahrt von Bremerhaven nach Dover, dabei zu sein.


Die Buchung...

Ich erfuhr während einer Besichtigung der unfertigen "Norwegian Sky" auf der Lloyd Werft Bremerhaven Ende Mai von dieser Kreuzfahrt. Die Reise wurde ausschließlich über die Bremerhavener Nordsee-Zeitung vermarktet. Der Reisepreis für alle Kategorien (mit Ausnahme der größten Suiten, die von VIPs belegt waren) betrug DM 299,-. Je eher man buchte, desto besser die zugeteilte Kabinenkategorie.


Die Anfahrt zum Schiff...

Die dreistündige Fahrt von Paderborn nach Bremerhaven verlief ohne Probleme. Ein (kostenloser!) Parkplatz für Passagiere der "Norwegian Sky" stand knapp einen Kilometer von der Columbuskaje entfernt zur Verfügung und es stand zudem ein kostenloser Shuttle-Service von diesem Parkplatz zum Schiff bereit.


Die Einschiffung...

Was die Einschiffung angeht habe ich äußerst gemischte Gefühle. Ich durfte 90 Minuten lang in einer endlos langen Schlange stehen. Das Columbusterminal ist nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet und "natürlich" war es einer der heißesten Tage des Sommers mit Temperaturen über 30°C. Als ich endlich zu einem der Schalter vorgedrungen war, war ich naß geschwitzt. Die eigentliche Einschiffungsprozedur dauerte lediglich einige Sekunden und ich begab mich sogleich zum Tisch des Maitre d' Hotel, der in der Abfertigungshalle aufgestellt war, um meine Tischreservierung zu tätigen. Von meiner Kreuzfahrt an Bord der S/S "Norway" im Juni kenne ich einen Restaurantober auf der "Norwegian Sky", der bis Anfang Juli auf der "Norway" gearbeitet hatte. Da er seine Arbeit auf der "Norway" hervorragend gemacht hatte, wollte ich natürlich gerne erneut an einem seiner Tische sitzen. Einige Tage vor der Kreuzfahrt (als die "Norwegian Sky" noch auf der Lloyd Werft lag) klingelte das Telefon und zu meiner großen Überraschung (und Freude) war Neil D'Souza, der Ober, am Apparat. Er sagte, daß er mit dem Maitre d' gesprochen habe und ich mich einfach bei der Einschiffung melden solle, da der Maitre d' meinem Tischplatzwunsch sehr gerne entsprechen wolle. Als ich dann also an den Tisch des Maitre d's trat und meinen Wunsch äußerte, schaute der stellvertretende Maitre d', der die Tischplatzkarten schrieb, ein wenig verwirrt drein, aber der Maitre d' (der die Tische zuwies), sagte, daß ich bereits erwartet worden sei und ein Tisch für mich reserviert sei.


Das Schiff...

Die "Norwegian Sky" ist ein brandneues Schiff. Ursprünglich als "CostaOlympia" für die italienische Costa Crociere beim Bremer Vulkan für eine Ablieferung im Jahre 1997 bestellt, wurde der unfertige Rumpf nach der Pleite der Bauwerft Anfang 1996 zunächst aufgelegt. Norwegian Cruise Line erwarb den "Costa 2" genannten Rumpf später und beauftragte die Lloyd Werft Bremerhaven GmbH - zweifelsohne die weltweit führende Schiffswerft für Umbauten, Renovierungen und Reparatur von Kreuzfahrtschiffen - mit der Fertigstellung des Schiffes, das den Namen "Norwegian Sky" erhalten sollte. Das Schiff wurde Ende Juli - pünktlich, was heutzutage nicht unbedingt selbstverständlich ist - von der Lloyd Werft an NCL übergeben. Die offizielle Jungfernfahrt begann am 9. August.

Die "Norwegian Sky" wurde auf einen sehr hohen Qualitätsstandard gebaut. Mit Ausnahme von An- und Ablegemanövern (wo die Bug- und Heckstrahlruder benutzt werden) gibt es keinerlei Vibrationen, selbst nicht im achtern gelegenen Seven Seas Restaurant. Angesichts der großen Vibrationsprobleme zahlreicher neuer Schiffe stellt die "Norwegian Sky" wirklich eine löbliche Ausnahme dar. Als ich an Bord war, waren alle Bereiche fertiggestellt. Nirgendwo traf man auf Werftarbeiter, die an unfertigen Bereichen arbeiten - auch etwas, das man nicht all zu oft antrifft!


Meine Kabine...

Da ist sehr spät von der Reise erfahren hatte, bekam ich "lediglich" eine Innenkabine der Kategorie H zugewiesen, Nr. 8354 auf dem Viking Deck. Vor Antritt der Reise war ich ob der geringen Größe dieser Kabine (~11 Quadratmeter) ein wenig besorgt gewesen. Allerdings stellte sich meine Unterkunft für 24 Stunden als durchaus gemütlich heraus und wirkte sogar etwas größer. Die beiden unteren Betten können in ein großes Doppelbett umgewandelt werden. Während ausreichend Schrankraum für eine einwöchige Reise zur Verfügung steht, ist der Schubladenplatz überaus knapp bemessen. Bei einer längeren Reise gäbe es für zwei Personen wohl einige "Platzprobleme", was das Gepäck angeht. Glücklicherweise können die Koffer (anders als in meiner Kabine auf der S/S "Norway") unter den Betten verstaut werden und stehen so nicht andauernd im Weg. Es gibt einen kleinen Fernseher mit Fernbedienung, ein Gerät der neuesten Generation (mit dem man z.B. Landausflüge buchen könnte) - wie auf vielen neuen Schiffen üblich - ist er jedoch nicht. Ebenfalls vorhanden sind ein kleiner Kühlschrank sowie eine zweite Telefondose für den Zugang zum Internet über den eigenen Laptop-Computer. Die Kabine ist recht geschmackvoll in unaufdringlicher Art und Weise dekoriert. Das Badezimmer läßt sich wohl am besten als "kompakt" bezeichnen, was man als "alles da und gerade genug Platz (aber auch nicht mehr) selbst für eine recht große Person wie ich es bin" übersetzen könnte. Einen Fön gibt es nicht, aber da ich keinen benötige, stellt dies zumindest für mich keinen Nachteil dar. Heißes Wasser ist im Überfluß und mit hohem Wasserdruck vorhanden. Auf dieser Kurzkreuzfahrt wurde kein Kabinenservice angeboten, so daß hierzu nichts sagen kann. Unverständlicherweise sind die Lampen an den Kopfenden der Betten viel zu niedrig angebracht, so daß es bei nächtlichen Drehungen im Bett zu einigen "Kollisionen" kam. Um die Kabinentür zu öffnen brauchte es schon etwas Kraft. Das schrille Klingeln des Telefons fällt als extrem laut auf!


Öffentliche Räume und Speisemöglichkeiten...

Lassen Sie uns nun einen Rundgang über das Schiff machen, beginnend auf der untersten Ebene des Atriums auf dem Atlantic Deck, wo man die "Norwegian Sky" während der Einschiffung betritt. Das Atrium ist äußerst ansprechend gestaltet, und man erhält sofort einen Eindruck von dem auf diesem Schiff zu erwartenden Dekor: Keine schillernden Farben, kein Glamour. Statt dessen elegant und unaufdringlich ausgestattete öffentliche Räumlichkeiten. Nichts wirkt übertrieben. Dies ist keine "Traumwelt", sondern eine Realität stilvoller Eleganz!

Vier gläserne Aufzüge laufen bis im Atrium bis hinauf zum Pool Deck, und auf verschiedenen Ebenen gibt es zahlreiche Sitzgelegenheiten, z.B. die Atrium Bar auf dem International Deck. Eine klare Kristallkuppel bildet des Abschluß des Atriums, so daß am Tage nicht viel künstliches Licht nötig ist, um den gewatligen Raum auszuleuchten. Die Rezeption und das Landausflugsbüro befinden sich in der Eingangshalle. Achtern schließen sich auf dem Atlantic Deck die drei Hauptspeisesäle sowie die Hauptkombüse der "Norwegian Sky" an.

Der vorderste der Speisesäle trägt den Namen Four Seasons Restaurant und wirkt recht ansprechend, wenn auch die Decke nicht all zu hoch ist (besonders in der erhöhten Zentralsektion). Der Raum ist nicht spektakulär und soll es auch nicht sein. Glücklicherweise stehen die Tische nicht ganz so dicht zusammen wie auf der S/S "Norway", aber in einigen Fällen dürfte es dem Personal mangels Bewegungsfreiheit dennoch schwerfallen, die Speisen korrekt zu servieren.

An der Steuerbordseite schließt sich das Horizons Restaurant an, einer der schönsten Speisesäle auf See. Dieser Raum steht insbesondere Hochzeitsreisenden und anderen Passagieren zur Verfügung, die in intimer Atmosphäre und an Zweier- oder Vierertischen speisen möchten. Die Speisekarte ist identisch mit der in den beiden großen Speisesälen. Alle Tischen sind nicht mehr als zwei Meter von großen Panoramafenstern entfernt. Da der Raum die einzige direkte Verbindung zwischen den beiden großen Speisesälen darstellt (mit Ausnahme der Kombüse), bleibt zu hoffen, daß "Durchgangsverkehr" effektiv unterbunden wird.

An die Hauptkombüse schließt sich achtern der Neptune's Court, das zweite Atrium des Schiffes, an. Mit einer Höhe von drei Decks reicht es hinauf bis zum Balkon der Stardust Lounge auf dem International Deck. Eine lebensgroße Statue des römischen Gottes der Meere bildet den Mittelpunkt.

Achtern befindet sich das Seven Seas Restaurant, mit raumhohen Fenstern an drei Seiten. Dieser Raum befindet sich oberhalb des Maschinenraums - allerdings befindet das Biscayne Deck dazwischen, auf dem sich Mannschaftskabinen finden. Erfreulicherweise gibt es selbst so weit achtern keinerlei Vibrationen, so daß die Teller bei Dinner nicht über den Tisch hüpfen dürften. Nun ja, vielleicht überlegen sie es sich bei schwerer See ja doch noch anders. Das generelle Layout des Raumes ähnelt dem des Four Seasons Restaurant, allerdings findet ein anderes Farbschema Anwendung.

Beim Verlassen des Seven Seas Restaurant betritt man die unterste Ebene des Neptune's Court. Von hier aus gibt es lediglich einen "Ausweg": Nach oben zum Promenade Deck. Auf diesem Deck befindet sich der Joggingpfad der "Norwegian Sky", der das gesamte Schiff umrundet. Als ich das Schiff im Mai auf der Bauwerft in Bremerhaven besichtigte, wurde mir versichert, daß die gesamten Außendecks mit Teakholz ausgelegt würden. Daher war ich natürlich leicht enttäuscht, daß der Joggingpfad lediglich mit einer gummierten (aber immerhin rutschfesten) Oberfläche versehen ist. Leider gibt es auf diesem Deck nicht einen einzigen Deckstuhl; im Unterschied zur S/S "Norway", auf der es immerhin ein paar (angeleinte) Stühle gibt.


Der untere Level der Stardust Lounge befindet achtern auf dem Promenade Deck. Die primäre Showlounge des Schiffes mit Platz für 1.000 Passagiere wirkt recht beeindruckend, wobei auch sie ganz und gar nicht überheblich anmutet. Veteranen der S/S "Norway" werden das Muster des Teppichbodens sofort wiedererkennen: Es ist identisch mit dem in der North Cape Lounge des NCL-Flaggschiffes. Die recht bequemen Sessel stehen viel zu dicht beieinander (da hätte man auch gleich eine Theateranordnung wählen können), und ich geriet in mittelgroße Probleme, zwischen diesen zu "navigieren". Die Bühne ist tief und für die NCL-typischen aufwendigen Produktionsshows bestens geeignet. Ein Orchestergraben fehlt zwar, aber es scheint, daß die Shows sowieso nicht mit Livemusik untermalt werden. Zwei schmale Wendeltreppen verbinden die Hauptebene mit dem Balkon der Stardust Lounge, der jedoch ziemlich "unter die Decks gequetscht" und bedrückend wirkt.

Vorn schließt sich an den Neptune's Court die Photo Gallery an, wo ein "Astroflash"-Computer Horoskope "ausspuckt". Sie werden mich als Amateurastronomen sicherlich nicht fragen wollen, was ich von der Astrologie halte, oder? Die Bücherei, die man durch die Photo Gallery erreicht, wirkt klein und funktionell, aber die Auswahl an Büchern ist recht ansehnlich. Leider ist es nötig, durch die Bücherei zu laufen, um zum an der Backbordseite gelegenen Konferenzzentrum zu kommen.

Am vorderen Ende der Photo Gallery befinden sich die Windjammer Bar und Churchill's Cigar Club. Beide Räume sind überaus geschmackvoll eingerichtet, aber die Windjammer Bar ist keineswegs so gemütlich wie ihr Gegenstück auf der S/S "Norway", da sie sich mitten im Hauptdurchgangsweg dieses Decks befindet. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Nichtraucher unter den Passagieren wäre es angebracht gewesen, Churchill's Cigar Club in einem eigenen (abgetrennten) Raum unterzubringen.

Checker's Cabaret, die sekundäre Show Lounge des Schiffes, befindet sich zwischen der Windjammer Bar und dem vorn liegenden Atrium. Dieser Raum verfügt laut NCL über die längste Bar auf See. Dem Namen des Raumes entsprechend, finden sich nahezu überall Karomuster. Die Sessel sind bequem, und den ganzen Tag hindurch sorgen Livemusik sowie später am Abend ein DJ für kurzweilige Unterhaltung. Übergroße Bullaugen erlauben Blicke hinaus auf das Meer. An das Atrium schließen sich auf diesem Deck einige kleine Geschäfte an, die jedoch geschlossen blieben, da diese Reise ohne Zwischenstopp von einem EU-Hafen zu einem anderen EU-Hafen führte. Nach der Aufhebung des Duty-Free-Verkaufs innerhalb der EU am 1. Juli 1999 war es NCL somit nicht erlaubt, die Geschäfte zu öffnen.

Ein Deck höher, auf dem International Deck, befinden sie die Atrium Bar und der Geschenkladen. Ganz vorn findet man die wunderbare Kids Corner, wo die jüngsten Kreuzfahrer zahlreiche Spielmöglichkeiten vorfinden.

An das Atrium schließt sich achtern das Monto Carlo Casino an. Auch dieser Raum wirkt keinesfalls so kitschig wie die Casinos auf so vielen anderen Schiffen und verbreitet eine beruhigende Atmosphäre. Die Casino Bar und die Video Arcade schließen sich an das Casino an.

Die Galleria Shops und The Coffee Bar mitsamt Internetcafé schließen sich achtern an. Als ich an Bord war, waren die Internetterminals noch nicht installiert, allerdings schien dies unmittelbar bevorzustehen. Die Geschäfte der Galleria Shops mußten natürlich ebenfalls geschlossen bleiben, weshalb ich leider nicht darauf eingehen kann.

Nimmt man einen der vier gläsernen Aufzüge im Atrium bis hinauf zum Pool Deck, kommt man nahe des Body Wave Thermal- und Fitneßbereiches an. Das Fitneßcenter ist 24 Stunden am Tag geöffnet und wirkt äußerst geräumig. Leider hatte ich keine Möglichkeit, einen Blick in den Body Wave Thermalbereich zu werfen, so daß ich mich hierzu nicht äußern kann.

Ganz vorn auf dem Pool Deck befinden sich die Observation Lounge und ein kleines offenes Deck. Die Observation Lounge ist ein wundervoller Ort mit einer farbenfrohen Miami Beach Atmosphäre, jedoch ohne einen überladenen Eindruck zu hinterlassen.

Achtern schließt sich das offene Pooldeck an das Atrium an. Hier findet man zwei großzügig angelegte Schwimmbecken und vier Whirlpools. Eine große Bühne bzw. die Topsiders Bar befinden sich an den beiden Enden dieses Bereiches. Die Deckliegen bestehen aus Kunststoff und Aluminium, verfügen allerdings immerhin über bequeme grüne Sitzkissen. Das Pool Deck besitzt einem hervorragenden Teakholzbelag, wie er leider nirgendwo sonst auf dem Schiff zu finden ist (mit Ausnahme der Balkone der Eignersuiten).

Achtern der Schwimmbäder befindet sich auf der Steuerbordseite das innenliegende Garden Café, wo zwanglose Büfettmahlzeiten eingenommen werden können. Der langgezogene Raum ist clever in mehrere Abschnitte unterteilt und ist in angenehm hellen Farben gehalten. Das Great Outdoor Café schließt sich achtern an. Leider wirkt es - wie sein Gegenstück auf der "Norway" - schnell überfüllt. Ein Großteil des Great Outdoor Café ist durch eine riesige Überdachung aus Segeltuch leidlich gegen widrige Witterungseinflüsse geschützt. Die Stühle sind mit integrierten Sitzkissen ausgestattet - ein echtes Plus! Es gibt zwei Büfettlinien und Getränkeausgaben sowie eine Bar (alle überdacht). Leider stehen sich die Passagiere aufgrund der schlecht durchdachten Büfettlinien oft gegenseitig im Weg.

An Backbord befindet die NCL-typische Sports Bar. Dieser Raum ist in hellen Holztönen gehalten, verfügt aber nicht über so viele Sportandenken wie der entsprechende Raum auf der "Norway". Es gibt nur wenige Fernseher, auf denen aktuelle Sportveranstaltungen übertragen werden. Die ziemlich klein geratene Zone Disco befindet sich vorn der Sports Bar und verfügt über ein diesem Raum entsprechendes Dekor aus hellen Holztönen.

Durchquert man die Zone Disco auf dem Weg zurück zum Pooldeck, so gelangt man in das angeschlossene Ciao-Chow Restaurant. Tagsüber wird hier ofenfrische Pizza serviert, wohingegen der Raum sich abends in ein elegantes italienisch-chinesisches Alternativrestaurant verwandelt. Das Ciao-Chow schmücken italienische und chinesische Gegenstände, dennoch wirkt der Raum keinesfalls kitschig oder überladen. Es sollte jedoch verhindert werden, das Passagiere, die sich an einem der Büfettrestaurants ein Tablett zusammengestellt haben, einen Großteil der Plätze des Ciao-Chow belegen, während Gäste der Pizzeria woanders nach einem Sitzplatz suchen müssen!


Ein weiteres Deck höher, auf dem Sports Deck, finden sich achtern Gatsby's Wine bar sowie Le Bistro, das NCL-typische Alternativrestaurant. Leider war es mir nicht möglich, einen Blick in diese beiden Räume zu werfen (mit Ausnahme eines kurzen Blicks durch die Fenster). Beide populären Treffpunkte sind edel eingerichtet und besonders Gatsby's Wine Bar sieht nach einem ausgezeichneten Platz aus, um den Sonnenuntergang bei einem schönen Glas Wein (oder auch einem alkoholfreien Drink) zu verfolgen.

Golf- und Baseballabschläge sowie Shuffleboard und ein vollwertiger Basketballplatz sind um den mächtigen Schornstein der "Norwegian Sky" herum angeordnet. Von der Champs Bar hinter dem Mast des Schiffes kann man das Pool Deck überblicken oder durch die Glaskuppel hinab in das Atrium schauen. Das Sports Deck dient als Sonnendeck und ist entsprechend mit einer großen Anzahl von Sonnenliegen übersät. Der vordere Bereich dieses Decks ist terrassenförmig angelegt und ganz vorn finden sich ein Whirlpool sowie ein Kinderplanschbecken mit Wasserfall. Der Blick von dort vorn über den Bug des Schiffes ist beeindruckend!


Das Essen...

Die Qualität der Speisen im Speisesaal war gut bis sehr gut. Das Büfettessen stelle ebenfalls zufrieden. Die Pizza im Ciao-Chow ist schmackhaft, und wenn ich sie auch nicht als "Gourmetpizza" bezeichnen würde (wie NCL es tut), so kann ich sie doch guten Gewissens empfehlen! Insgesamt entsprach die Qualität der Speisen der auf der "Norway" im Juni, wobei das Essen im Speisesaal leicht schlechter abschnitt, die Büfetts aufgrund der deutlich größeren Auswahl etwas besser.


Der Service...

Nun, im Speisesaal konnte nicht all zu viel schiefgehen, schließlich sorgte "mein" Ober, Neil, für mich. Dieser arbeitete im achtern gelegenen Seven Seas Restaurant. Das Abendessen (ich hatte wie üblich die zweite Sitzung gewählt) begann etwa 20 Minuten später als angekündigt, da die erste Sitzung nicht rechtzeitig beendet worden war. Kein großes Problem, doch würde ich wohl erbost reagieren, würde sich so etwas auf einer Kreuzfahrt des öfteren ereignen. Die Passagiere stürzten sich somit wie eine wilde Horde in den Speisesaal, sobald die Türen geöffnet wurden. Als ich den Raum betrat, erspähte Neil mich sofort (es ist nicht leicht, mich zu übersehen) und führte mich zu meinem Tisch - einem mit "reserviert" gekennzeichneten Vierertisch direkt an einem der großen Panoramafenster, den ein großer Strauß Blumen zierte. Neils Service ließ "selbstverständlich" nichts zu wünschen übrig und auch der Busboy (ebenfalls aus Indien) machte seine Arbeit trotz offensichtlicher Schüchternheit gut. An meinem Kabinensteward hatte ich nichts auszusetzen. Es müßte eigentlich nicht extra erwähnt zu werden, daß Neil trotz der Tatsache, daß das Trinkgeld auf dieser Kreuzfahrt bereits im Reisepreis enthalten war, ein großzügiges Extratrinkgeld bekam, was ihm beinahe peinlich war.


Das Unterhaltungsangebot...

Auf dem ganzen Schiff verteilt spielten zahlreiche Bands, aber mit einer Ausnahme (The Jane L. Powell Band im Checker's Cabaret) spielten alle die gleiche Musik, die zudem kaum als Unterhaltungsmusik durchgehen konnte. Dies war nach einer gänzlich anderen Erfahrung auf der "Norway" schon eine Enttäuschung. Ich hatte zahlreiche verschiedene Stilrichtungen erwartet!

Das Unterhaltungsangebot in der Stardust Lounge schloß die erste Aufführung der neuen Show "Hey, Mr. Producer! - The Musical World of Cameron Mackintosh" ein. Obwohl die Show hervorragend war, war die riesige Stardust Lounge mit geschätzten 200 Gästen nur sehr mäßig besetzt. Möglicherweise befürchteten die fast ausschließlich deutschen Passagiere, kaum etwas zu verstehen. Während die Show natürlich nicht revolutionär war (alle enthaltenen Musicals sind langjährige Kassenschlager) setzt sie dennoch neue Maßstäbe für Broadwayunterhaltung auf See. Cameron Mackintosh selbst war anwesend, und zufälligerweise saß ich direkt hinter dem mit einem Schottenrock bekleideten Starproduzenten.


Der Beurteilungsbogen...

Schiff (Zustand, Einrichtungen usw.): 1
Kabine (Einrichtung usw.): 2+
Service (Kabinensteward): 1-
Service (Restaurantober): 1+
Service (Busboy): 2+
Service (offene Sitzungen): 2
Essen im Speisesaal: 2
Essen am Büfett: 2-
Unterhaltungsangebot: 1-
Gesamtbeurteilung: 2+


"The Sky's the Limit!" - tatsächlich?

Nun, es ist nicht einfach, zu beurteilen, ob dieser brandneue Schiff das hält, was NCL verspricht, hängt die Meinung über ein Schiff doch sehr vom persönlichen Geschmack ab. Mir persönlich gefällt die elegante und unaufdringliche Atmosphäre der öffentlichen Räume ausgezeichnet, die Kabinen könnten jedoch etwas größer sein. Passagiere, die "Fun Ships" oder auch kleine Megajachten lieben, werden sich an Bord der "Norwegian Sky" vermutlich weniger wohl fühlen. Aus meiner Sicht ist die "Norwegian Sky" eines der elegantesten Schiffe, auf denen ich bislang gewesen bin. Ich würde jederzeit eine längere Reise auf diesem Schiff unternehmen. Ich bin sicher, daß frühere NCL-Passagiere sich auf diesem neuen Schiff sehr wohl fühlen werden und sich die "Norwegian Sky" zu einem Schiff mit loyalem Gefolge entwickeln wird.

Für weitergehende Fragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

Raoul Fiebig


Copyright 2001 © Raoul Fiebig