Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 05.09.2005

Reisebericht


Andreas Halamoda
M/S "MSC Opera", MSC Crociere
28.05. - 04.06.2005, Östliches Mittelmeer


Vor der Reise

In der La Cabala-LoungeWir beide, 34 und 31 Jahre alt, sind schon lange vom Kreuzfahrtvirus infiziert. Mit den Eltern und Großeltern machten wir einige Reisen, während der Studentenjahre war da nicht daran zu denken, aber einige Reiseleiternebenjobs vorzugsweise bei "Princess Cruises" waren Lichtblicke, wenn auch mit viel Arbeit verbunden. Seit 2000 sind wir beide eigentlich jedes Jahr für 1 Woche auf Kreuzfahrt, was wir immer mit einem Rundreisevorprogramm verbinden. Obwohl ich mich als Schiffsliebhaber bezeichne, der sich über jeden rüstigen, noch aktiven Veteranen freut, so bevorzugen wir doch eindeutig große und moderne Schiffe, weil uns eine individuelle Urlaubsgestaltung wichtig ist. Dennoch mögen wir das traditionelle Kreuzfahrtkonzept mit festem Tisch und dem einen oder anderen Galaabend.

In uns reifte der Entschluss, im Frühsommer 2005 eine Tour durchs westliche Mittelmeer zu machen und dies mit einem Vorprogramm an der Riviera di Ponente und der Cote d'Azur zu verbinden. Da kam natürlich zunächst Costa Crociere in Betracht, mit denen wir bereits zweimal durchaus zufrieden unterwegs waren. Was dagegen sprach, waren deren Schiffe Costa Fortuna und Costa Magica, die diese Routen befahren. Mit fast 3.500 Passagieren sind sie sehr groß geraten. Als Abkömmlinge der berüchtigten "Destiny- Klasse" der Muttergesellschaft Carnival entsprechen sie zudem nicht meinen Vorstellungen von Schiffsästhetik, innen wie außen. Dann geriet mir das "Abenteuer und Reisen" Spezialheft Kreuzfahrten in die Hände. Peter Pfänder hatte dort viel mehr Spaß auf der brandneuen MSC Opera als Kurt Ulrich auf der Costa Fortuna. Somit war die Entscheidung gefallen, und ich beobachtete die Preisentwicklung bei der MSC Lirica auf ihrem wöchentlichen Törn ab Genua, um in einem günstigen Moment zu buchen. Die MSC Sinfonia, die eine ähnliche Route befuhr, interessierte mich als ehemaliges Festivalschiff aufgrund ihrer eher billigen Inneneinrichtung nicht.

Nachdem das Vorprogramm dann gebucht und es abzusehen war, das wir viel unterwegs sein würden, war mir der Routenverlauf plötzlich zu anstrengend. Die ganze Woche täglich ein Hafen (oft Großstädte), meist von morgens bis abends, das ist einfach zu wenig Schiff. Also änderten wir unseren Plan, berechneten die Strecke von Frejus (Cote d'Azur) bis Venedig mit ca. 6 Stunden Fahrzeit, was für uns akzeptabel war, und buchten stattdessen die MSC Opera. Obwohl wir die Reise durch die Adria bis Istanbul schon kannten, verhieß der Fahrplan doch deutlich mehr entspannende Stunden an Bord. Zudem würden wir mit dem jüngsten Schiff von MSC reisen, dessen Innenaufnahmen gegenüber der 1 Jahr älteren MSC Lirica einen sichtbaren Fortschritt versprachen. Wir entschieden uns für eine Innenkabine "Luxus", voraussichtlich auf Deck 8, zum Last-Minute-Preis, fast die Hälfte des regulären Preises.


Anreise und Einschiffung

Hotel L'arena in FrejusUnser Vorprogramm in San Remo und Frejus war sehr schön (dort besonders empfehlenswert: Das Hotel L'Arena), und wir hofften auf eine gute Fortsetzung. Das Frühstück fiel zugunsten einer frühen Abfahrt (05:00 Uhr) aus, und nach einer problemlosen Fahrt kamen wir um 10:30 Uhr in Venedig an, sehr gespannt, was uns da erwarten würde.

Denn die Sache mit der Opera hatte denkbar schlecht angefangen, dies jedoch schon zuhause. Gebucht hatten wir ca. 7 Wochen vor Abfahrt, das Bordmanifest ca. 3 Wochen davor zu MSC gefaxt, nachdem es uns da erst zugesandt wurde, und so warteten wir zunehmend ungeduldig auf die Reiseunterlagen. Doch da tat sich nix. MSC in München (laut Aussage unseres Reisekaufmanns ein "Saftladen") war nicht in der Lage uns (bzw. unserem Reisebüro) bis 9 Tage vor Abfahrt dieselbigen zukommen zu lassen. Unser Reisebüro, bei dem wir auch unser Vorprogramm gebucht hatten, wusste Bescheid und machte Druck. Man hielt sie mit immer wieder anderen Argumenten hin. Zuerst hieß es, man beeile sich; dann, man schicke die Unterlagen per UPS- Express; dann am 9. Tag vor Abfahrt hieß es, man habe überhaupt keinen Einfluss auf die Versandabteilung im gleichen Haus! So erhielten wir lediglich einen Fax- Voucher, dem ich immerhin unsere Kabinennummer (10104) entnehmen konnte, und nur auf telefonische Nachfrage unseres Reisebüros eine schlechte Skizze des Hafens, wo wir uns einzufinden hätten, ebenfalls per Fax. Wir haben einen ähnlich schlechten Service noch nicht mal ansatzweise im Vorfeld unserer anderen Kreuzfahrten jemals erlebt. Da wir den Hafen Venedig bereits kannten und immerhin den Faxvoucher hatten, war es für uns lediglich ärgerlich, wären wir jedoch "Erstkreuzfahrer", so hätte uns das erheblich verunsichert, wer fährt schon gerne ohne Reiseunterlagen weg?

"MSC Opera" und "Crystal Serenity" in VenedigIm Hafengebiet hatte MSC einen großen Zeltpavillon aufgestellt, wo wir vorfuhren und unser Gepäck abgaben. Eine freundliche Mitarbeiterin fragte uns, ob wir Kofferanhänger hätten, was wir natürlich verneinten, worauf sie uns auf ihrer Liste suchte und dann von Hand entsprechende Anhänger ausfüllte (zeitgleich ankommende Mitreisende aus anderen Ländern hatten natürlich welche). Dann verschwanden unsere Koffer aber blitzschnell im Zelt, wo fleißig und organisiert gearbeitet wurde- zuletzt in Venedig auf unserer Reise mit Costa hauten uns die Gepäckträger zuerst ganz ungeniert nach einem "Tip for the Porters" an, bevor sie auch nur einen Finger krumm machten.

Ich versorgte das Auto auf dem Langzeitparkplatz (60,- Euro pro Woche), wo auch eine Reservierung vorlag, und wir begaben uns zum Check- In. Erfreut stellte ich fest, das ein Getränkesteward mit kostenlosen Säften und das Landausflugspersonal mit ihrem Programm zugegen waren, um uns die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Es waren ca. 20 Check- In- Schalter geöffnet, und ein Clown mit Trillerpfeife verteilte die Passagiere gleichmäßig. Um allerdings dorthin zu gelangen, musste man zunächst eine Blondine passieren, die die Pässe der Gäste mit einer Liste verglich. Freundlich lächelnd klebte sie uns die Nummer 31 auf die Pässe. Ich lächelte zurück und fragte, was dies zu bedeuten hätte, worauf sie stumm blieb. Am Check- In wurde nach Ticket, Pass und Kreditkarte gefragt, sowie ein Foto gemacht, und anschließend die Bordkarte ausgehändigt. Auf meine Frage nach dem Maitre d' wurde mir gleich seine Sprechzeit 13:00 Uhr mitgeteilt. Auf meine Frage nach der Nummer auf dem Pass bekam ich zur Antwort, das wir diesen nun nicht mehr bräuchten. Alles ging wirklich sehr schnell.

Nachdem das Boarding bereits um 12:00 beginnen sollte, beschlossen wir, nicht mehr vorher in die Stadt zu gehen, da wir Venedig dank einiger Aufenthalte zuvor gut kennen. Aber bitte: Wenn die gebuchte Kreuzfahrt in Venedig beginnt, sollte man mindestens 1-2 Tage vorher anreisen, um die "Serenissima", die schönste aller Städte, ausführlich zu genießen. Sie ist es wirklich wert.

Gegen 12:00 bildete sich dann eine dichte Traube vor dem "Hammelgang" der auf die zwei Röntgengeräte zur Passagierkontrolle zuführte. Interessant, neben Englisch, Deutsch und Italienisch hörte man vor allem Französisch in diesem Sprachgewirr. Also neigen nicht nur wir Deutsche zu dieser Unart, die vollends unerträglich wurde, als das Boarding dann begann; durch eine Digitalanzeige mit den Nummern 1-10 angezeigt.

Die bedauernswerte Hostess, die den Zugang bewachte, musste praktisch alle zurückweisen, denn kaum einer hatte die richtigen Nummern auf seinem Pass kleben. Es gab ein lautstarkes, sprachvielfältiges Gemurre, was ganz leicht zu verhindern gewesen wäre, wenn es eine allgemeine Aufklärung über die Bedeutung der Nummer auf dem Pass in Form einer Durchsage oder eines Hinweises am Check- In gegeben hätte. Aber so... Die Traube indes löste sich trotzdem nicht auf (als ob man so schneller aufs Schiff käme), so das wir uns als 1- 40 aufgerufen war nach ca. 20 Minuten immer noch hindurchkämpfen mussten. Der Rest war unspektakulär: Metalldetektor, Handgepäck- Röntgenkontrolle und neuerliche Passkontrolle. Dann wartete schon die Bordfotografie mit zwei Motiven: Einmal mit einem schrecklich kitschigen Opera- Poster, dann mit zwei venezianischen Gondoliere, die uns herzhaft umarmten. Die letzten 400 Meter zum Schiff mussten wir dann zu Fuß zurücklegen, schön um sich einzustimmen.


Erster Eindruck

"MSC Opera" auf ReedeDa lag sie nun vor uns, die MSC Opera, knapp ein Jahr jung, mit ihrer Größe von 58.000 BRZ und ihrem Fassungsvermögen von 1766 Passagieren. Sie entstammt bautechnisch bekanntlich der Mistral- Klasse, einst von der mittlerweile insolventen Reederei Festival bei Chantiers de l'Atlantique (der Bauwerft, die jüngst Schlagzeilen mit der Queen Mary 2, aber auch mit Antriebsproblemen ihrer Neubauten machte) in Auftrag gegeben. Während die Ex- Festivalschiffe durch ihren stark zerklüfteten Bug- und Heckbereich, ihren unschönen Ballspielkäfig und den klotzigen, eckigen Schornstein fast schon als hässlich zu bezeichnen sind, so trifft das keineswegs auf die Opera zu. Sie wird zwar keinen Schönheitspreis gewinnen, aber durch die starken Designänderungen von MSC an Bug und Heck, sowie vor allem durch den eleganten Schornstein kommt bei aller Zweckmäßigkeit doch eine gewisse äußere Eleganz ins Spiel, die sich im Inneren fortsetzt. Im Unterschied zu ihrem direkten Schwesterschiff MSC Lirica, besitzt sie weniger Suiten, aber sehr viel mehr Außenkabinen mit Balkon, in Form einer doppelstöckigen Galerie an den Schiffskörper außen angebaut (ähnlich wie die Costa Victoria nach dem Umbau). Abgesehen davon, das dies für MSC lukrativer sein dürfte, gefällt mir das auch optisch besser, als ein wie ein Käse durchlöcherter Schiffskörper- Geschmackssache eben.

Man betritt dann das Schiff im überraschend kleinen Atrium, wo uns eine positive Überraschung erwartete: Gutgelauntes Zimmerpersonal stand bereit, um uns auf die Kabine zu begleiten. In dieser Schiffskategorie hatte ich so etwas noch nicht erlebt, und der nette Steward erklärte uns auf dem kurzen Weg noch die grundsätzliche Orientierung auf der MSC Opera mit ihren 4 Treppenhäusern (die übrigens in dieser großen Anzahl ein Vorteil sind, es gab nie überfüllte Aufzüge oder längere Wartezeiten) und den individuell nach Deck eingefärbten Teppichen (grün auf Deck 7 und 8, blau auf 9, hellviolett auf 10 und dem Suitendeck; diese Teppichfarbe war dann auch die beherrschende Farbe des Kabineninterieurs, eine schöne Designidee).

Kabine 10104Unsere Kabine befand sich auf Deck 10, auch Turandot Deck genannt. Eigentlich ein Upgrading, denn mir war lediglich Deck 8 zugesagt worden. Zunächst war ich froh, das sich wie von uns gewünscht kein zusätzliches hochgeklapptes Zusatzbett in unserer Kabine befand, welches in einer ohnehin engen Innenkabine den Raumeindruck weiter beeinträchtigt. Die Kabine selbst war erwartungsgemäß klein (ca. 13 qm), und aus nicht gerade hochwertigen Materialien gearbeitet, aber sie hatte flotte, fröhliche Farben und wahrlich nicht zu wenig Spiegel! Dazu erfreuten zahlreiche Einrichtungsdetails wie die sehr schönen, massiven Nachttischlampen und die Kunstdrucke von Florence le Page. Grundsätzlich war die Kabine recht praktisch mit viel Stauraum im Schrank und in den Nachttischkommoden, sowie für viel Kleinkram an anderen Stellen. Es gab einen Safe hinter einem Spiegel sowie eine Minibar mit vernünftigen Preisen. Das Bad war sehr geräumig mit üppig Platz unter der Dusche (mit Vorhang). Steckdosen gab es sowohl mit 110 als auch mit 220 Volt. Sofern man die leeren Koffer unter dem Doppelbett verstaute, konnte man von ausreichendem Stauraum auch für einen 14- Tage Törn reden. Wenig geschickte Passagiere ließen jedoch beim Versuch, die Koffer unters Bett zu schieben, einige Spuren in Form schwarzer Streifen an den Seitenwänden zurück. Da mich diese störten, rubbelte ich sie selbst mit einem Tuch weg (pedantisch, ich weiß). Weiter fielen mir einige dicke Flecken auf dem Teppichboden auf, die ihre Ursache wohl weniger in mangelnder Reinigung durch das Zimmerpersonal, als vielmehr im gedankenlosen Umgang der Passagiere mit klebrigen Flüssigkeiten und fremdem Eigentum hatten. An dieser Stelle gleich das Lob für unseren Zimmersteward Moise, der immer für eine tadellos saubere Kabine sorgte, stets superfreundlich und auch sehr flexibel war, was unsere teilweise seltsamen Zeiten betraf, in denen wir uns darin aufhielten. Generell wurde auf der Opera ständig irgendwo geputzt. Die Hygiene spielt offenbar eine große Rolle bei MSC- Kompliment! Zur Kabine bliebe noch zu sagen, das die Geräuschisolierung sehr gut war. Man hörte fast nichts von nebenan, und genau so wenig vom Pooldeck direkt oben drüber. Nur ein herzhafter Sprung in den Pool selbst führte zu einem bemerkbaren Schwappgeräusch hinter unserem Bett. Noch nie hatte ich übrigens in einer Schiffskabine eine so einfach bedienbare, präzise regelbare und effektive Klimaanlage.

Einer unserer Koffer befand sich bereits beim Eintreffen auf unsrer Kabine, die restlichen drei Gepäckstücke (ja ich weiß, aber immerhin waren wir ja schon seit 8 Tagen auf Reisen...), kamen innerhalb der nächsten 15 Minuten- dafür ein Lob. Die Tischreservierung lag auch schon vor, 1. Sitzung- genau das wollten wir nicht, da wir durch den Job bedingt normalerweise immer erst gegen 21:00 Uhr unser Abendessen einnehmen. Überrascht waren wir nicht, da (erstens) Deutsche immer früh essen und (zweitens) wir unseren Wunsch nach 2. Sitzung auf das Bordmanifest schrieben, welches an MSC Deutschland ging, und wie sehr man sich auf die verlassen kann, haben wir ja schon erlebt. So entschieden wir uns zuerst zum Welcome- Buffet im SB- Restaurant Le Vele auf Deck 11 zu gehen und anschließend zur Sprechstunde des Maitre d'.

Nach dem schmackhaften Imbiss fanden wir uns bei der Sprechstunde des Maitre d' ein, wo bereits einige Landsleute ihre Wünsche kundtaten. Wie ich sah, kam er geduldig trotz ausgebuchtem Schiff ihren Wünschen nach. Um sicher zu gehen, wollten wir ganz freundlich sein und ich begrüßte ihn auf italienisch, was gut bei ihm ankam. So war das mit dem Zweiertisch kein Problem mehr, wir bekamen laut seiner Aussage einen besonders Schönen im kleineren der beiden Hauptrestaurants, L' Approdo auf Deck 6 achtern. Fortan kam er jeden Abend an unseren Tisch um sich nach unserer Zufriedenheit zu erkundigen. Ein gutes Verhältnis zum Maitre d' ist immer empfehlenswert, und Italiener sind wirklich mit die herzlichsten Gastgeber der Welt, sofern man ein wenig auf ihre Eigenarten eingeht.

Man darf bis jetzt sagen, dass die Besatzung schnell und charmant die ganze Inkompetenz von MSC Deutschland ausgebügelt hat. Einer schönen Reise stand nun nichts mehr im Wege. Kommt mit auf einen


Rundgang über das Schiff

Das AtriumWir beginnen im zweistöckigen Atrium auf Deck 5 (Aida), da man dort das Schiff betritt, und es erfahrungsgemäß oft die Visitenkarte für den Einrichtungsstil und die Atmosphäre darstellt. Das ist bei der Opera jedoch nur eingeschränkt der Fall. Edle Marmorböden in warmen Beige- und Brauntönen zeugen zusammen mit der großzügigen Verwendung von Messing, der Vielzahl von Spiegeln und der dominierenden Glasdeckenlampe im Art- Deco- Stil von hoher Designqualität. Man wundert sich jedoch, warum der Raum so klein ist. Die elegante Marmortreppe von Deck 6 führt direkt auf die Rezeption zu, eignet sich somit kaum für den von vielen Italienern geliebten "großen Auftritt" (auf den Ex- Festival- Halbschwestern ist diese Treppe nicht vorhanden, stattdessen befindet sich dort ein Wasserspiel). Es bleibt kein Platz für eine Bar, ja noch nicht einmal für eine Sitzgruppe. Ich persönlich brauche zwar keine Riesenlobby mit verglasten Aufzügen, Platz für eine Pianobar sollte aber da sein. Mit diesem bescheiden dimensionierten Raum stellt die Opera ihr Licht erst einmal unter den Scheffel, und das hat sie wahrlich nicht nötig. Der Grund für die Dimensionierung dürfte aber auch darin liegen, das sie letztendlich eine Evolution der deutlich kleineren "Mistral" ist, und, kritisch betrachtet, einige deren Mängel mit übernommen hat.

Wenden wir uns nach vorn, dann betreten wir das Sotto Vento Pub, welches sich vor (man könnte auch böse sagen "unter") dem Theater befindet. Ein gemütlich überwiegend in dunklem Braun eingerichtetes Pub, das den Charme einer Seglerkneipe vermitteln soll, was dank der schönen holzgetäfelten Bar mit dem großen Spirituosenangebot auch gelingt. Das Sotto Vento verzichtet gänzlich auf Tanzfläche und Musikunterhaltung, und war dementsprechend ein Treffpunkt für Gesprächs- und Kartenspielerrunden. Die großzügigen runden Fenster bieten einen netten Meerblick.

Gehen wir vom Atrium aus nach achtern, finden wir sehr üppig dimensionierte Sitzbereiche, alles in den gleichen einladenden Materialien und Farben des Atriums eingerichtet, von diesem jedoch nicht direkt einsehbar. Hier finden wir auch die Bank/Geldwechsel und das Landausflugsbüro, sowie die Hospitality Desks diverser Reisegruppen an Bord. Auf Barservice wird hier gänzlich verzichtet, weshalb ich diese Räumlichkeiten anfangs als gigantische Platzverschwendung empfand. Allerdings habe ich im Laufe der Reise festgestellt, das dies ein toller Platz ist, wenn man ganz in Ruhe außerhalb seiner Kabine lesen oder Karten schreiben will.

Piazza di Spagna LoungeHinter dem nächsten Treppenhaus befindet sich dann die zweitgrößte Lounge mit Bar des Schiffes: Piazza di Spagna, nach dem berühmten Platz im Herzen Roms benannt. Die wunderschöne Inneneinrichtung in Marineblau, Hellgrau und Beige mit viel Glas, Messing, Palmen und wunderschönen Stehlampen mit intimer Beleuchtung sollten diesen Raum eigentlich zum Zentrum des Schiffes machen. Das funktioniert aber nicht, denn speziell abends bleibt es hier zum Frust der Kellner und der dort spielenden Band ziemlich leer. Aus meiner Sicht sind das die Gründe: Die meisten Bars befinden sich darüber, auf Deck 6, man ist aus Sicht der Südländer zu weit von der "Action" weg, denn es fehlt eine direkte Verbindung in Form einer offenen Treppe dorthin. Außerdem geht der Weg in das dahinterliegende Restaurant La Caravella nochmals durch ein Treppenhaus, man kann sich also auch dort nicht so richtig "präsentieren". Der dritte Grund könnte in der aus meiner Sicht für eine Lounge zu niedrigen Deckenhöhe liegen, die die Atmosphäre beeinträchtigt. Dennoch verbrachten wir hier schöne ruhige Stunden bei Pianomusik von Andrea Montepaione. Mit Nachmittagsaktivitäten wie Bingo und der bei MSC gepflegten Teatime mit Tanzmusik wird der Raum dann natürlich besser belebt.

Ansonsten finden wir auf Deck 5 noch die 4 Bordboutiquen verteilt, sowie eines der beiden Hauptrestaurants, La Caravella.

Gehen wir ein Deck (Otello) höher. Gleich fällt auf, dass die Deckenhöhe großzügiger ist. Achtern befindet sich das zweite Restaurant L'Approdo. Von dort aus geht es an Steuerbord durch die Fotogalerie, und an Backbord durch das cool eingerichtete Internetcafe (10 min 5 ,- Euro) nach vorn. Alternativ steht hier auch die Außenpromenade (Bolideckbelag) zur Verfügung, denn hier befinden sich die Rettungsboote sowie alle Musterstationen (in auffällig großer Zahl). Wie auf fast allen modernen Schiffen verliert auch auf der Opera dieser Deckbereich zunehmend an Bedeutung.

Dann betreten wir die Pianobar La Cabala. Sehr zentral gelegen, ist dieser Raum abends immer voll. Er ist auch sehr gemütlich, man rückt in den engen Sitzgruppen zusammen und unterhält sich gut. Die Einrichtung ist in dunkelviolett gehalten, erneut mit sehr auffälligen Lampen als Designmerkmal. Der dort in trauriger Regelmäßigkeit auftretende Künstler Alberto vertrieb uns jedoch regelmäßig, sobald er in die Tasten, und, schlimmer noch, zum Mikrofon griff.

Weiter geht es ins Casino Monte Carlo (welch phantasievoller Name...), wo die Eingangsskulptur aus weißem Marmor als eines der wenigen Kunstwerke an Bord ins Auge sticht. Da ich kein Casinobesucher bin kann ich nur wenig sagen. Es ist der bunteste Raum des Schiffs mit einer hübschen kleinen Bar. Für ein europäisches Schiff war das Casino immer sehr gut besucht. Ich hielt mich jedoch nur bei der Rettungsübung dort auf , da es unsere Muster- Station war.

Cotton ClubAnschließend gelangen wir in den Cotton Club, eine intim wirkende Bar mit großer Tanzfläche, immer voll und zurecht so beliebt. Das mag am gelungenen Design liegen (Grundfarbe grün im Art- Deco- Stil mit Wandmotiven von Ginger und Fred), oder an der besten Band auf der Opera, Mambo e Fragola, die einen wirklich mitreißenden Stil hatten, und immer für eine volle Tanzfläche sorgten. Leider gab es hier oft Animationsshows, sehr zum Leidwesen der Tanzenden. Der Cotton Club liegt genau wie alle anderen Lounges auf Deck 6 sehr zentral.

Auf unserem Weg Richtung Bug betreten wir nun wieder die obere Etage des Atriums, die von der Cafe- Bar Aroma gebildet wird. Ähnlich elegant wie das Atrium unten eingerichtet, ist es ein angenehmer und gemütlicher Ort, um tagsüber einen hervorragenden Cappuccino zu trinken. Eine Bemerkung an dieser Stelle: Der Kaffee ist überall auf der Opera spitze, denn es werden original italienische Espressomaschinen (die mit der manuellen Bedienung) und keine Vollautomaten verwendet. Man schmeckt den Unterschied, und am Preis verschluckt sich niemand (Cappuccino 1,50,- Espresso 0,95,- Servicegebühr gibt es bei MSC keine). Interessante Ausblicke bietet das Aroma aufgrund der kleinen Atriumöffnung allerdings nicht (genau so wenig nach draußen), dennoch ist der Platz abends sehr beliebt. Man sieht, die ganze "Action" abends findet hier auf dem Otello- Deck statt.

Teatro dell'OperaWir betreten nun das Teatro dell'Opera, die große Showlounge, die sich über zwei Decks erstreckt. Für mich der schönste Raum des Schiffes. Hier wurde nicht versucht, wie auf vielen anderen Schiffen mit einer dramatischen Architektur steil ansteigender, überhängender Ränge ein gigantisches Musicaltheater zu imitieren. Stattdessen haben wir es mit einem intimeren, stimmungsvollen und ein wenig nostalgischen Theaterraum zu tun. Bemerkenswert ist die sehr breite Bühne, die spektakuläre Beleuchtung und die hervorragende Sicht von allen Plätzen aus (der Raum ist "säulenfrei"). Wenn man nur auf Stippvisite kommen will, bieten sich die leicht zugänglichen hintersten Reihen an. Die Sessel und der Bühnenvorhang sind in warmem Dunkelblau, die Teppiche und Wände in behaglichem Bordeauxrot gehalten. Das Ambiente wertete auch die gebotene Unterhaltung auf. Kreuzfahrtdirektorin Ketty, eine nette Enddreißigerin aus Neapel tat ihr bestes, aber Ankündigungen in 6 Sprachen fallen doch immer ein wenig langatmig aus. Die Künstler boten insgesamt guten Durchschnitt, die Showproduktionen waren dann gut, wenn sie bewusst italienisch daherkamen, so wie bei der Produktion "Allegria" oder der "Venetian Magic Show" des ausgezeichneten Illusionisten Paladino. Zum Brüllen war der schräge Comedian. Mäßig war es dann, wenn es international werden sollte ("Welcome to Las Vegas"). Uns war allerdings nicht jeden Abend nach Theater.

Auf dem Rigoletto- Deck (Nr.7) vorn, direkt über dem Theater, befindet sich mit der Caruso- Lounge die größte Tanz- und Veranstaltungslounge des Schiffes, sowie daran angegliedert im gleichen Stil die Bibliothek. Ein schöner Raum in hellen Tönen mit Blau und Rot als dominierenden Farben. Ein schöner Rahmen für den Captains- Welcome- Cocktail. Das war aber auch das einzige Mal, dass ich diesen Raum voll erlebt habe. Er liegt als einziger Gesellschaftsraum auf Deck 7 etwas abgelegen. Die mangelnde Beliebtheit hängt sicher auch mit der dort aufspielenden Band zusammen. Obwohl laut Bordprogramm die Spezialisten für Standardtänze, quälten die offensichtlich aus einem besonders abgelegenen Winkel Osteuropas stammenden Musiker ihre Zuhörer mit Gedudel der Marke "Zillertaler Hochzeitsmarsch". Rette sich, wer kann!

Auf Deck 7 achtern beginnen die Passagierkabinen. Die Decks 8, 9 und 10 bestehen komplett aus Kabinen. Aufpassen sollte man, dass man keine Innenkabine der Kategorie 5 auf Deck 10 bekommt, denn diese befinden sich direkt unter der Küche des SB- Restaurants darüber, wo frühmorgens klappernd das Frühstück vorbereitet wird. Balkonkabinen gibt es auf den Decks 9 (Norma) und 10 (Turandot), wobei ich aufgrund der Farbgebung (Blau als dominierender Ton) Deck 9 bevorzugen würde. Schlechte Kabinen gibt es auf der Opera aufgrund des interessanten Entwurfs, das keine Kabinen unterhalb der Gesellschaftsräume auf Deck 5 vorhanden sind, keine. Der Grundriss ist bei allen gleich, ausgenommen Suiten und behindertengerechte Kabinen. Berücksichtigt man, dass es sich um ein Mittelklasseprodukt handelt, ist hier ein dickes Lob fällig, genauso wie für die in Anbetracht der Passagierzahl ungewöhnlich große Auswahl verschiedener Bars und Gesellschaftsräume für jeden Geschmack. Das einige abends ziemlich leer bleiben, ergibt sich da zwangsläufig.

Wenn wir uns nun aufs Tosca Deck (Nr. 11) begeben, müssen wir das vorderste oder das hinterste Treppenhaus benutzen. Das 2. von vorn endet auf Deck 10 (die Aufzüge auf Deck 9), die Stufen des 2. Von hinten enden ebenfalls auf Deck 10, die Aufzüge reichen jedoch bis Deck 11- etwas eigenwillig zwar, aber insgesamt läuft der vertikale Passagierfluss durch die 4 Treppenhäuser sehr flüssig. Auf Deck 8 und 9 gibt es ganz vorn jeweils ein kleines Aussichtsdeck. Dasselbe gilt achtern. Dort sind sogar Liegestühle vorhanden, der Platz ist jedoch nicht üppig.

Workout mit MeerblickBenutzen wir das Vordere, so gelangen wir an den Eingang des Opera Health Centers. Freundliche Balinesinnen laden dort zur Entspannungsmassage oder zum Besuch des Friseursalons ein. Ich blieb jedoch stets standhaft, und ging weiter in den Fitnessraum, der sich direkt über der Brücke befand. Wow! Er hatte eine clevere Verglasung rundum, mit rahmenlosen Scheiben, die von der Decke bis ganz zum Boden reichen und mit einer optisch attraktiven Spezialverschraubung befestigt sind. Das hatte ich so noch nie gesehen. Der Meerblick war überwältigend. Die Fitnessgeräte (Laufbänder, Stepper und Fahrräder) waren in einer Reihe in Fahrtrichtung aufgestellt und keine Reling oder ähnliches schränkte den "Kapitänsblick" ein. Noch nie habe ich auf einer Kreuzfahrt so gerne trainiert, denn ich beobachte leidenschaftlich gerne den Kurs. So nahm ich das erste Mal nicht zu. Der Vollständigkeit halber: Der Raum erscheint für die Schiffsgröße etwas klein, es fand sich jedoch immer ein freies Gerät. Auch an die Bodybuilder hatte man mit genügend Hanteln und Kraftmaschinen gedacht. Ein Trinkbrunnen sowie Handtücher waren auch da.

Entspannen mit MeerblickDer Kapitänsblick durch die geniale Verglasung (die sich übrigens über das gesamte Tosca- Deck erstreckte) konnte auch von der "Relaxation Area" nebenan von Nichtsportlern genossen werden- in angenehmem Ambiente mit Palmen sowie asiatischen Korbliegen und -sesseln. Da dies ein Ruheraum war, gab es natürlich keinen Barservice aber dafür Vogelgezwitscher vom Band. Erstaunlich, das dieser Raum immer so leer war, viellleicht hat ihn mancher nicht entdeckt.

Dahinter auf der Backbordseite befindet sich Le Terme, der Sauna- und Dampfbadbereich, getrennt nach Männlein und Weiblein, sehr schön mit Mosaiken ausgestaltet, und nochmals ein separater Ruheraum, der den Saunagästen vorbehalten war. Wiederum dahinter befindet sich Buffalo Bill, das großzügige Kinderspielzimmer, praktischerweise direkt am Pooldeck, welches wir nunmehr betreten.

An der Vorderseite befindet sich zentral die große Poolbar "Lo Spinnaker", sehr schön in dunkelbraunem Holz gemacht, mit einer großen Zahl an Barhockern. Links davon befindet sich eine Softeisbar (die nur selten in Betrieb ist, man muss ins Tagesprogramm sehen) und rechts davon eine weitere Bar, deren Sinn sich mir nicht erschloss, weil ständig zu und überflüssig. Hier finden wir auch die beiden Tischtennisplatten.

Das PooldeckVon hier geht der Blick über das weitläufige Pooldeck. Im Bereich der Spinnaker- Bar und der Pooleinheit finden wir auch zum ersten und einzigen mal Teakholz, welches eine sehr große Tanzfläche bildet, und wo die Pooldeckanimation stattfindet. Die Pools selbst sind beide identisch, mittelgroß und haben jeweils einen integrierten Kleinkinderbereich, was mir persönlich nicht gefällt. Es ist natürlich in Ordnung, das MSC einen besonders familienfreundlichen Kreuzfahrtstil anbietet- immerhin sind das die Kunden der Zukunft- aber einer der Pools sollte doch den Erwachsenen vorbehalten bleiben, so wie das auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen praktiziert wird. So ging ich nie rein, eine Temperaturprobe ergab zudem, das sie sehr kalt waren. Ob sie grundsätzlich beheizbar sind, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Viel lieber ging ich dagegen nach dem Sport in einen der beiden Whirlpools, die sich auf einem Podest zwischen den beiden Becken zusammen mit den Duschen befinden. Diese waren stets gut besetzt, es dürften gerne in Anbetracht der Passagierzahl zwei weitere installiert werden. Anzumerken wäre noch, das die Opera den Trend zu Kunstskulpturen auf dem Sonnendeck nicht mitmacht. Es gibt lediglich auf dem La Boheme Deck (Nr.12) einen großen Springbrunnen, der aber während der Reise nie in Betrieb war.

Die Liegestühle waren in ausreichender Zahl vorhanden, von guter Qualität und mit einem verstellbaren Sonnenschutz ausgestattet. Direkt um den Pool herum wurde es manchmal etwas eng, aber man fand immer Alternativen, oft auch eine helfende Hand der Deckstewards. Hinter dem zweiten Pool befand sich die überdachte Bühne für die Band. Leider trat hier nie eine auf. Schade, denn auch wenn wir hier im Mittelmeer unterwegs sind, gefallen mir karibische Klänge an heißen Seenachmittagen sehr gut.

An dieser Stelle endet das Pooldeck mit einer doppelten Glaswand und dem Aufzugsturm des dritten Treppenhauses. Man geht auf beiden Seiten durch 2 Türen und betritt die Terrasse des Freiluftrestaurants Il Patio mit Bar. Ich finde, das ist super gemacht. Es sieht nicht nur gut aus, sondern bietet zum einen den Vorteil eines ausgezeichneten Windschutzes für die Restaurantterrasse, und zum anderen ist der Poolbereich perfekt vom Restaurantbereich abgetrennt. Ich mag es nämlich nicht, wenn unmittelbar neben dem Pool oder den Liegestühlen gegessen wird, beziehungsweise Kinder mit Tellern voller Pizza und Pommes zum Pool springen. Über dem Il Patio erstreckt sich ein riesiges Sonnensegel, das formschön in den Schornstein übergeht. Eine kleine Anleihe an dieses typische Designmerkmal der Costa Classica/ Romantica/ Victoria sei der Opera gestattet. Auf der Backbordseite befindet sich der Grill, gegenüber die Pizzeria und daneben ein Stand mit Show- Cooking, alle mit den dazugehörigen Getränkezapfstationen. Es sind zahlreiche Vierer- und Achtertische vorhanden, es wurde selten eng. Ein wirklich stimmungsvoller Platz zum Essen, vor allem wenn dazu das Gitarrentrio "Los Paraguayos" temperamentvoll aufspielte. Kritik verdienen allerdings die Rattanstühle, die zwar ein hübsches Design haben, aber schon ziemlich abgewetzt waren, so dass sicher die Fäden manch empfindlicher Pullover drin hängenblieben. Diese Stühle befinden sich übrigens auch auf allen Kabinen- und Suitenbalkonen. Rattan ist wirklich nicht das ideale Material um auf einem Schiff den Elementen zu trotzen.

Nun sind wir wieder achtern angekommen. Hier befindet sich das SB- Restaurant Le Vele, das zunächst durch eine schöne, helle Holzeinrichtung und die hier wiederum beeindruckenden Glaswände gefällt. Leider gibt es 3 Büffetlinien (2 identische zu beiden Seiten, und eine für Obst und Desserts) und keine Anordnung im Stil eines Marktrestaurants wie ich es bei RCCL kennen gelernt habe, und für die optimale Lösung erachte. In der Praxis waren die Schlangen zu beiden Seiten des Büffets zwar kurz, aber Probleme gab es im Le Vele dennoch genügend: Da nur 2 Getränkestationen vorhanden waren, bildeten sich dort regelmäßig Staus, obwohl Stewards fleißig beim Zapfen halfen. Als Behelfslösung wurden zwei weitere provisorische Stationen mit Thermoskannen eingerichtet, was jedoch nicht für Entlastung sorgte. Dann war da noch die Größe des Raumes selbst. Während in den Bars und Lounges verschwenderisch Platz zur Verfügung steht, ist dieser Raum in der Evolution der "Mistral"- Baureihe einfach nicht mitgewachsen, außerdem wurde bei der Opera die Passagierkapazität gegenüber der älteren Schwester Lirica nochmals erhöht (weniger Suiten, mehr Innen- und Balkonkabinen). So ist das Le Vele sehr eng bestuhlt und immer rappelvoll. Wenigstens waren die Stewards sehr flink beim Abräumen und Säubern der geräumten Tische. Auch der Barservice funktionierte einigermaßen.

Mir persönlich macht das nichts. Sofern das Wetter mitspielt (und das tat es bei dieser Reise immer) esse ich lieber draußen. Mit einem vollen Tablett in der Hand stellte sich aber die Frage, wie man unbeschadet dorthin kommt. In der Glasfront zum Il Patio befindet sich an beiden Seiten eine automatische Schiebetür, die aber außer Betrieb ist. Warum ist klar: Den im Le Vele Sitzenden würde an dieser Stelle bei jedem Öffnungsvorgang der Tür ein ordentlicher Windstoß um die Ohren wehen, sehr lästig. So hat man die Tür gar nie in Betrieb genommen, sie ist mit Palmentöpfen zugestellt. Recherchen von mir im Zuge dieses Berichts haben ergeben, das es diese Fehlkonstruktion von Tür bereits auf der Mistral in fast gleicher Form gab. Demzufolge auch auf Armonia, Sinfonia und Lirica. Jetzt ist die Opera das 5. Schiff dieser Reihe, und nichts hat sich geändert? Also nimmt man sein Tablett, geht an der Büffet- Schlange vorbei ins Treppenhaus und wartet an der massiven Holztür, die ebenfalls nach draußen führt, bis sie aufgeht und der hoffentlich freundliche Mitpassagier sie einem aufhält, denn der Schließmechanismus ist ein starker und mit Tablett in der Hand hat man keine Chance. Warum aber die Schiebetür auch bei Stillstand des Schiffes im Hafen geschlossen blieb, leuchtet mir wirklich nicht ein.

Diskothek ByblosErfreulicher ging es auf dem La Boheme Deck (12) weiter. Hier befindet sich achtern neben dem Virtual Games Room die große Disko Byblos, ebenfalls einer der schönsten Räume auf dem Schiff. Decken, Wände und Bar sind mit viel glänzendem Edelstahl gemacht, ein schöner Kontrast zu den pinkfarbenen, aber nicht grellen Barhockern und Sesseln, die in Gruppen um indirekt beleuchtete Glastische angeordnet sind. Abermals beeindruckt der Blick durch die durchgehenden Glasaußenwände. Palmen lockern das Ambiente auf. So ist die Disko Byblos auch tagsüber als Aussichtssalon ein attraktiver Ort. Die Bar bleibt jedoch geschlossen, sie öffnet um 22:00 Uhr. Der linke Teil des großen Raums wird im Bereich der zweiten Tanzfläche auch als Seminarraum genutzt. Abends geht es hier lebhaft zu, besonders an Galaabenden. Die Musik ist ganz in Ordnung, der arrogante DJ reagierte auf Musikwünsche der Gäste allerdings grundsätzlich ablehnend.

Wer zwischendurch mal Luft schnappen will, gelangt über zwei Automatiktüren ins Freie. Ganz hoch auf dem Schiff ist das ein wunderbarer, ruhiger Platz mit traumhaftem Ausblick über das Kielwasser. Hier stehen auch genügend Liegestühle bereit, denn tagsüber war dieses Deck ein beliebter Treffpunkt der Ruhesuchenden. Barservice gab es hier konsequenterweise nicht.

Inspektion des MinigolfkursesAuf dem höchsten Deck befindet sich über der Disko Byblos nur noch der Minigolfparcours mit Kunstrasenbelag sowie weitere Liegestühle. Beliebt war er nicht, ich habe während der Reise niemanden dort spielen sehen. Stattdessen nahmen in Istanbul die Stadtraben diese interessante Grünfläche genau in Augenschein.

Der auf Armonia und Sinfonia an dieser Stelle vorhandene Basketball-/Volleyballkäfig fehlt wie schon erwähnt auf Opera und Lirica, was der eleganten Linie des Schiffs sehr gut tut. Eltern, die ihre sportbegeisterten Jugendlichen mitnehmen, sollten sich aber trotzdem überlegen, eine der älteren, weniger schönen Halbschwestern zu buchen, bietet doch nur so ein "Sportplatz" einigermaßen Auslauf.

Vorn auf dem La Boheme Deck befinden sich die Suiten (ca. 23,5 qm). Vor dem Check- Out war es mir möglich, sie zu besichtigen. Der Blick aus dieser Höhe ist natürlich königlich. 2 Suiten erlauben auch die Kapitänsperspektive (12003 und 12004). Der Balkon ist sehr groß, die Suite selbst sehr funktionell mit üppigem Schrankraum (begehbar), wie immer vielen Spiegeln, dazu ein Bad mit Wanne. Dennoch war ich irgendwie enttäuscht: Zusätzlich zur Grundausstattung aller anderen Kabinen gab es lediglich ein Sofa (verwandelbar in ein drittes Bett) einen kleinen Glascouchtisch und einen vergrößerten Schreibtisch. Die Anzahl der Kunstdrucke blieb jedoch gleich (dadurch wirkte die Suite etwas leer), und die verbauten Materialien waren auch nicht hochwertiger. Daher an dieser Stelle mein Tip: Wer nicht unbedingt den größeren Balkon, das Couchbett und die Badewanne braucht, erhält mit den normalen Balkonkabinen auf Deck 9 und 10 nicht nur das bessere Preis- Leistungsverhältnis, sondern auch den schöneren Raum (nur die Kabinen 9060 bis 9085 meiden, da ist der Balkon zu klein. Dennoch sollte man den Suitenbereich kennen. Der Grund sind die zwei Balkone, die sich ganz vorne in Fahrtrichtung befinden, die Ausgänge durch zwei grüne "Exit"- Schilder markiert. Hier kann jeder den exklusiven Suitenausblick genießen, am besten bei einer spektakulären Passage. Man ist hier fast immer allein.

Zuletzt soll auch das große vordere Sonnendeck über den Suiten nicht unerwähnt bleiben. Man sollte aber nichts gegen Fahrtwind haben, der weht hier trotz Vollverglasung recht steif.


Essen und Trinken

Das Küchenteam stellt sich vorHier strahlte der MSC- Stern (oder ist es eine Windrose?) besonders hell. Durchaus zu meiner Überraschung, denn bei dem hohen Anteil an Last- Minute- Reisenden erwartete ich Sparmaßnahmen, doch es gab in diesem Bereich keine.

Das Frühstück nahmen wir im Le Vele am Buffet ein. Ein guter Anfang, denn es gab immer eine leckere Auswahl: Kaltes (Käse und Wurstspezialitäten nach italienischer Art, Süßes), Warmes (die üblichen Rühreier, Würstchen, Hash- Browns, Speck und Grilltomaten), viele Brotsorten (neben südländischen Sachen wie Croissants und Brioches gab es auch immer Vollkorn), und einige interessante Spezialitäten wie Thunfisch- Zwiebel- Tomaten oder spanische Frittata. Es gab immer frischgeschnittenen Obstsalat und zu meiner Überraschung feines Bircher Müsli, das auch unseren Freunden aus der Schweiz schmecken würde. Der Höhepunkt war für mich der Yoghurt aus einer kleinen Molkerei in Sterzing (Südtirol)- Lecker! An den überlasteten Getränkestationen gab einen durchaus genießbaren Kaffee, guten Tee (Twinings) und scheußlichen Grapefruit- und Orangennektar. Von daher ersparten wir uns die Schlange, gingen aufs Il Patio wo die freundlichen Getränkestewardessen uns einen Cappuccino servierten. Auf der Grill- Seite wurden Eier und Omeletts nach Wunsch zubereitet, es gab auch Pancakes mit Ahornsirup, die um diese Zeit etwas schwer im Magen liegen. An der Pizzatheke gab es ein kleines kontinentales Frühstücksbuffet, das bis 11:00 offen blieb. Für Spätaufsteher gab es italienisches Frühstück (Cappuccino und Croissants) an der Il Patio- Bar bis zum Mittagessen.

Verschiedentlich wurde in Reviews über MSC berichtet, das die Auswahl an Speisen etwas eingeschränkt sei. Das kann ich so nicht bestätigen. Man hat auch während des letzten Jahres große Fortschritte gemacht. Am besten, man macht sich selbst ein Bild: Das immer mediterran angehauchte Lunchbuffet beginnt mit den üblichen Salaten, dann eine schöne Auswahl italienischer Antipasti (Fleisch-, Fisch-, und Gemüsevorspeisen). Es gibt jeweils eine Tagessuppe, dann Pasta, Fisch, Fleisch, zweierlei Beilagen (Gemüse und Reis oder Nudeln) und täglich Pommes. Dann kommt eine kleine Sandwichauswahl, ein Pfannengericht (z. B. Paella oder Couscous) und ein Braten, der frisch aufgeschnitten wird. Am Dessertbuffet gab es diverse Kuchen und frisches Obst. Riesig ist diese Auswahl nicht, wichtiger ist mir jedoch das es gut schmeckte und abwechslungsreich war.

Außerdem muss man das Angebot im Il Patio trotz des oben beschriebenen Hindernislaufs zur Auswahl mit dazu rechnen. Die frisch gebackene Pizza ist bei MSC (als in Neapel beheimateter Gesellschaft) kein Stiefkind, wo nur ein Quadrat von einem Backblech abgeschnitten wird, sondern eine Hauptsache: Frisch wird der Hefeteig ausgerollt und nach Wunsch belegt, gebacken und ofenfrisch serviert. Für Pizzaliebhaber wäre allein das ein Grund MSC zu buchen. Der Andrang war hier manchmal groß, aber die Wartezeit lohnte sich. Gegenüber wurde immer vom Assistant Maitre d' ein weiteres Pastagericht frisch gekocht. Auf der Backbordseite gab es am Grill zunächst ein Salatbüffet, eine Auswahl von 2 frisch gegrillten Fleischsorten (ich probierte Spare- Ribs und Lammkoteletts) und eine Fischsorte, dann natürlich Hamburger (mag ich nicht so, aber meine Frau sagte, sie seien lecker) samt Zutaten und als Beilage die unvermeidlichen Pommes. Die Öffnungszeiten waren sehr gut auf die Hafenliegezeiten abgestimmt, Grill und Pizzeria blieben immer bis 16:00 Uhr offen.

Natürlich gab es ab 16:00 Uhr die übliche Kaffee-/Teesnacks mit Keksen, Kuchen und Sandwiches, aber man kann ja nicht die ganze Zeit essen. Interessanter fand ich da die Teatime mit Musik in der Piazza di Spagna Lounge.

Das Mittagessen haben wir auf dieser Cruise aber oft im Restaurant in offener Sitzung genossen. Hauptgrund war für mich, das ich nicht zunehmen wollte (man läd sich am Buffet oft zuviel auf), der andere war das Restaurant La Caravella auf Deck 5, mit 600 Plätzen das größere der beiden. Ich fand es sehr schön und hell eingerichtet in den 4 Grundfarben Weiß, Dunkelbraun, Grün und Gold. Da es einstöckig ist, gab es zur Mitte hin erhöhte Podeste, man hatte von überall schöne Meerblicke durch die runden Fenster. Die Bestuhlung war eher eng, gab dem Service aber genügend Platz, und es entstand so eine fröhliche, gut gelaunte Atmosphäre, bei angenehmer Lautstärke. Festliches Flair, wie es sich in den großen zweistöckigen Restaurants mit großem Tischabstand vieler anderer Neubauten einstellt, gab es nicht. Ich habe es nie vermisst, zur italienischen Bordatmosphäre der Opera passt die Restaurantgestaltung gut.

Die Highlights beim Lunch waren eindeutig neben der Pasta und den Fisch- und Meeresfrüchtespezialitäten die hervorragenden Risotti, sehr kreativ und ganz frisch zubereitet, und deshalb konsequenterweise nicht am Buffet angeboten. Wenn Peter Pfänder in seinem Portrait der Opera die Küche als gut, aber "wie beim Italiener nebenan" bezeichnete, muss ich ihm hier widersprechen. So einen außergewöhnlichen "Italiener" gibt es mit Glück in einer durchschnittlichen deutschen Großstadt nur 1-2 mal, und dann zu sehr stolzen Preisen. Wenn der Kellner beim Lunch noch ein Dessert empfahl, tat man obwohl man satt war gut daran, diesem Rat zu folgen. So hatten wir hier zu unserer Verblüffung einen wunderbaren Apfelstrudel. Der Service war immer gutgelaunt und flott. Das Eiswasser (mit relativ wenig Eiswürfeln) wurde flott nachgeschenkt, der offene Vino della Casa (1/2 Liter 6,- Euro) war jedoch rot wie weiß nicht der Qualität der Speisen angemessen.

Zum Abendessen waren wir im zweiten (tagsüber geschlossenen) Hauptrestaurant L'Approdo, mit ca. 300 Plätzen das kleinere und intimere auf Deck 6 achtern gelegen, untergebracht. Auffallend schön war hier der weiße Marmorboden. Als Farbe dominierte hier Lachsrosa, weshalb es mir weniger als das La Caravella gefiel. Die Bestuhlung war ähnlich, es gab auch verschiedene Ebenen, nur das man hier einen Meerblick durch große raumhohe Glasfenster hat. Für uns in der zweiten Sitzung war dies jedoch unerheblich, da es draußen immer dunkel war. Während der Dardanellenpassage hatten wir auch etwas von der Aussicht, vor allem, als die Opera dort der riesenhaften Italo- Amerikanerin Costa Mediterranea begegnete, die majestätisch an uns vorbeizog. Die Mermaid- Pods direkt unter uns liefen sehr sanft und vibrationsarm, störten den Genus nicht. Auch im L'Approdo war die Stimmung immer heiter, was am freundlichen und schnellen Service lag der nicht besser hätte sein können, man freute sich wirklich jeden Abend auf das Dinner (man hatte den Eindruck, die Stimmung im Restaurant wurde jeden Abend besser, bis es am letzten richtig wehmütig wurde).

In erster Linie lag das natürlich am Essen. Es wurden 6 Gänge serviert. Es gab die Auswahl unter 3 Vorspeisen, 2 Suppen, einem Salat, 2 Pasta- oder Risottigerichten, 4 Hauptgängen und 4 Desserts. Es wurde ausschließlich italienische Küche gepflegt, und jeder Abend stand unter dem Motto einer bestimmten Region (Venedig, Toskana, Sizilien und weitere). Wahrscheinlich war das der Hauptgrund, warum alles so frisch und lecker war, die verantwortlichen MSC- Köche waren tatsächlich allesamt Italiener und konzentrierten sich auf das, was sie gut können. Einzelne Gerichte zu loben würde viel zu weit führen, man konnte bestellen worauf man gerade Lust hatte. Allerdings ließen wir uns ab dem 2. Abend die englischsprachige Karte geben, da die deutsche Übersetzung doch sehr seltsam war. Neben einer Weinempfehlung fand sich auch immer ein Vorschlag für ein kalorienarmes Menü. Immer erhältlich waren die Grillgerichte Hähnchenbrust, Steak und Lachs mit Beilagen nach Wunsch sowie Pasta all'Bolognese, sollte man wirklich einmal nicht fündig werden. Das einzige, was etwas abfiel (gerade auch im Vergleich zum Lunch), waren wie so oft auf Kreuzfahrtschiffen die Desserts, sie waren manchmal einfach nur süß. Am besten war es, vorher den Kellner zu fragen, ob und wenn ja, welches wirklich empfehlenswert sei. Wir bekamen immer den richtigen Rat. Als Alternative gab es nämlich immer sehr gutes Eis oder Sorbet, eine Auswahl frischer Früchte, oder einen ausgezeichneten Käseteller. Das fantastische Mitternachts- Dessertbuffet am ersten Galaabend entschädigt die Schleckermäuler, hier war alles verführerisch und lecker, weitere Mitternachtssnacks wurden von uns aber nicht besucht. Erwähnenswert wäre noch, das es am zweiten Galaabend zum einzigen Mal einen Ausflug in die klassische internationale Kreuzfahrtküche gibt. Ich hatte die Ente a l'Orange und meine Frau Hummer. Beides war vorzüglich. Als Abschluss dieses Dinners gab es noch die altbekannte "Baked Alaska"- Parade, auf die ich mich wegen der Eistorte besonders freue, die auch nicht enttäuschte. Glücklicherweise enthielten sich die Kellner an allen anderen Abenden weiterer Animation.

Unser erfahrener Kellner Christian aus Rumänien arbeitete sehr schnell und konzentriert, war mit Spaß bei der Sache. Ihm zur Seite gestellt war Made aus Bali, der noch als ehemaliger Matrose ein wenig lernen musste, aber Christian war ein energischer und umsichtiger Lehrer, so das die Gäste kaum etwas davon mitbekamen. Zu den Aufgaben des Assistenzkellners gehörte auf der Opera der Getränkeservice, da kam er bei den Weinbestellungen manchmal ins Schwitzen. War aber kein Problem, wenn Christian bemerkte, das während der Vorspeise der Wein noch fehlte, sprang er ein, und der gewünschte Tropfen stand auf dem Tisch. Die Weinauswahl war insgesamt recht umfangreich zu vernünftigen Preisen, hervorheben möchte ich aber ausgerechnet den günstigsten Weißwein (12,- Euro die Flasche), einen Chardonnay aus dem Friaul, ausgezeichnet!

Den Espresso danach muss man allerdings außerhalb des Restaurants zu sich nehmen. Kein Problem, die Auswahl an Bars ist groß genug und er ist überall gleichermaßen gut. Darf es noch etwas anderes sein? Den Cocktail des Tages gab es für 4,- Euro (die meisten anderen für 4,50,-) und für Bierliebhaber gab es eine Sonderaktion, amerikanisches Bier für 1,75,- Euro, ansonsten das unvermeidliche Heineken vom Fass. Der Getränkeservice funktionierte auf der Opera außergewöhnlich gut. Die gutaussehenden und gutgelaunten, hauptsächlich aus Südosteuropa stammenden Getränkestewardessen waren immer präsent, servierten schnell, und ließen einen in Ruhe austrinken. Nie hatte man wie bei manch anderer Reederei das Gefühl, ständig etwas konsumieren zu müssen. Da zudem die Getränkepreise zivil sind und kein Servicezuschlag dazukommt, geht die Rechnung für MSC trotzdem auf (und der Gast verzeiht, das an den Zapfstationen rund um die Uhr nur Eiswasser zur Verfügung steht). Ich glaube, das ist der Hauptgrund dafür, warum auf der Opera die Bordatmosphäre so besonders gut ist.


Service allgemein

Es ist allerdings nicht überall auf der Opera so eitel Sonnenschein wie im Gastronomiebereich. Man kann sagen, das einzelne Beschäftigte der Bordgeschäfte und -boutiquen regelrecht unfreundlich waren. Die Auswahl in den Geschäften war teilweise passabel, teilweise aber auch mager (z.B. im Duty- Free- Shop für Parfüm und Kosmetik). Von Schnäppchenpreisen konnte sowieso keine Rede sein. Andererseits muss man aber auch positiv festhalten, das es keine marktschreierische Werbung und Ausverkäufe (von Schund) oder nervige Kunstauktionen gab.

Ein weiterer Serviceschwachpunkt war die Bordfotographie. Die Gäste wurden meist recht uninspiriert in Szene gesetzt, und vor seltsamen Hintergründen (z.B. Rolltreppe, Bordwand oder im Türrahmen stehend) fotografiert. Dazu kamen oft schlechte Schärfe und Belichtung, sowie manchmal verschmierter Druck. Da die Bilder mit mindestens 9,95,- Euro nicht gerade Schnäppchen waren, hielten sich die Kaufimpulse in Grenzen. Das Foto mit Kapitän Raffaele Pontecorvo, einem netten aber sehr kleinen Italiener (der neben uns normalgewachsenen Mitteleuropäern lustig aussah, ein bisschen wie Danny de Vito) schoss jedoch den Vogel ab. Als Portraitfoto gedruckt sollte es stolze 19,95,- Euro kosten! So sahen wir erstmals von unserem Spleen, von jeder Cruise das Kapitänsfoto mitzubringen, ab.

Allgemein kann man sagen, das die Opera in Bezug auf vielsprachige Durchsagen oder Werbung ein sehr angenehmes weil ruhiges Schiff ist. Kreuzfahrtneulinge hingegen sind gut beraten, die Sprechstunden und Infoveranstaltungen der deutschsprachigen Hostess Sandra wahrzunehmen, denn sonst könnte man aufgrund fehlender Erklärungen per Lautsprecher schon mal in Verlegenheit geraten, gerade wenn es um Treffpunkte für Landausflüge, das Austendern und vor allem die Ausschiffung geht. Man sollte auch keine große Hoffnung auf Information durch die Damen an der Rezeption haben. Nicht nur, das keine Deutsch verstand (sofern Sandra nicht da war), sogar deren Englisch war erschreckend schlecht. Man sieht, das es auf dem explosionsartig wachsenden Kreuzfahrtmarkt mittlerweile schwer ist, für alle Arbeitsbereiche an Bord kompetente Mitarbeiter zu finden. Achtung übrigens vor den völlig überteuerten Briefmarken an der Rezeption!


Was sonst noch auf der Opera auffiel

Etwas mager fand ich alles, was mit dem TV zusammenhing. Als Passagier einer Innenkabine bin ich nach dem Aufstehen auf Wetterinformationen via Bord-TV angewiesen. Ein Kanal zeigte sehr schön das Livebild von der Brücke, leider ohne Temperaturangabe. Also schaltete man weiter auf den Kanal, wo das "Ship Information System" von "Scandinavian Microsystems Norway" lief. Das war mit Abstand das schlechteste, welches ich in den vergangenen Jahren erlebt habe. Nur kurz wurden in einem 5 Minuten Intervall die wirklich interessanten Dinge eingeblendet (Schiffsposition, Geschwindigkeit, Wind- und Seestärke, zurückgelegte Entfernungen und vor allem Außentemperatur), ansonsten liefen Dinge wie Deckpläne, die Beschreibung der Offiziersrangzeichen, die momentane Entfernung nach Tokio (!) und anderer Weltstädte, und, wenigstens nicht unwichtig, die Lage der Musterstationen, sowie eine Anleitung zum Anlegen der Rettungswesten. Als einziges deutsches Programm lief das ZDF. Keine schlechte Wahl zwar, aber die Schweizer und Österreicher, die auf dieser Reise mindestens so zahlreich wie wir Deutschen vertreten waren, taten mir da leid. Außerdem lief auf einem anderen Kanal ein täglich wechselndes Spielfilmprogramm auf Deutsch. Was dagegen fehlte, war ein interaktives System zur Buchung von Landausflügen oder zur Kontrolle des Bordkontostands, wie es beispielsweise bei Royal Caribbean Standard ist. Gut, man kann es verschmerzen.

Gespannt war ich auf die technischen Qualitäten der Opera, da ich noch nie auf einem von Chantiers de l'Atlantique gebauten Schiff unterwegs war. Da gab es nichts zu bemängeln. Ganz im Gegenteil, das Finish war ausgezeichnet, sie macht (wie gesagt abgesehen von den Kabinenwänden) einen hochwertigen Eindruck. Offensichtlich sollte man wie im Automobilbau auch im Schiffbau die Franzosen nicht unterschätzen. Die Wärtsilä- Diesel liefen rußarm, und die umstrittenen Mermaid- Pods störungsfrei und sehr geschmeidig. Allerdings ist sie mit ihren gerade mal 21 Knoten nicht sehr schnell, was auf dieser Route nicht gerade von Vorteil sein sollte. Zu ihren Seeeigenschaften kann ich nichts berichten, da Adria, Ägäis und Marmarameer während der gesamten Reise ruhig wie ein Dorfteich waren.


Die Anlaufhäfen

1. Tag: Venedig

Panorama von VenedigZu meiner Überraschung fand vor der Abfahrt keine Rettungsübung statt. Sie sollte am nächsten Tag stattfinden, da in Bari weitere Passagiere an Bord kamen. So glitt die Opera pünktlich um 16:00 Uhr rückwärts aus dem Hafenbecken, vorbei an der edlen Crystal Serenity. Dann drehte sie sich auf der Stelle um 90 Grad nach Steuerbord in Richtung des Canale della Giudecca und wartete darauf, von einem Schlepper an den Haken genommen zu werden. Eigentlich wäre das aufgrund ihrer Manövriereigenschaften nicht nötig, aber seit die Mona Lisa in der Hafenausfahrt der Lagunenstadt auf Grund lief, ist das Vorschrift. Vielleicht hätte man den Venezianern mal sagen sollen, dass die alte Dame sich gerne mal auf dem Meeresgrund ausruht... Wir passierten den kroatischen Veteran Dalmacija an Backbord und genossen die einmalig schöne Ausfahrt. Jeder passionierte Kreuzfahrer sollte mindestens einmal im Leben die Ausfahrt aus Venedig erleben. Die Hauptattraktionen der Lagunenstadt präsentieren sich dabei wie an der Perlenschnur, und von einem Schiff von der Größe der Opera aus sogar wie aus der Vogelperspektive. Auf der Höhe des Lido löste sich dann der Schlepper, noch eine langgezogene Steuerbordkurve und nach einer Stunde befanden wir uns auf dem offenen Meer und nahmen Kurs auf Bari.

2. Tag: Bari

Dom San Nicola zu BariDie süditalienische Hafenstadt lief die Opera gegen 10:00 Uhr an. Mitten zwischen Griechenland- und Albanienfähren sowie aufliegenden Seelenverkäufern machten wir fest. Ein Vorteil der Opera gegenüber der Costa Mediterranea, die ja praktisch die gleiche Route befährt, ist die Tatsache, dass in Bari Landausflüge angeboten werden. Bei der Mediterranea ist es hingegen nur ein technischer Stopp zur Aufnahme der süditalienischen Passagiere und zum Bunkern. Neben einem geführten Stadtrundgang wurde ein Ausflug nach Alberobello (das Dorf der weißen "Trulli"- Rundhäuser) und einer zum Castel del Monte, dem mysteriösen Bau des Stauferkaisers Friedrich des Zweiten (manch einem aus dem Spielfilm "Der Name der Rose" bekannt) angeboten. Dafür hatten wir uns entschieden, doch dummerweise öffnete ich den Umschlag, in dem ich die Ausflugstickets vermutete, erst nach dem Frühstück, nur um darin die Mitteilung zu finden, dass die erforderliche Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht worden sei, wir aber gerne nach Alberobello mitfahren könnten. Darauf hatten wir wiederum keine Lust, und wir beschlossen, einen Stadtbummel zu machen, eine Stadtplankopie lag am Shore Excursion Office bereit. Am Hafenausgang fragten wir einen Polizisten nach dem Weg in die Innenstadt. Er empfahl uns jedoch, diese nicht zu betreten, die Innenstadt sei voller Taschendiebe und nicht ungefährlich. Stattdessen sollten wir an der Hafenpromenade entlang zur Hauptattraktion (und auch einzigen), dem Dom San Nicola gehen, was wir auch taten. Der aus weißem Sandstein gebaute Dom aus der Normannenzeit war auch recht interessant. Aber direkt aus dem reichen Norditalien gekommen, wirkte die Stadt sehr arm, und obwohl wir Italienliebhaber sind, verzichteten wir hier gerne darauf, in die Altstadt zu gehen. Man sollte hier wirklich einen Landausflug buchen- oder an Bord bleiben. Um 14:00 Uhr hieß es "Leinen los". Kurz darauf fand auch die Rettungsübung statt.

3. Tag: Katakolon/Griechenland

Olympia Stadion - das OriginalFrühmorgens machte die Opera in dem winzigen Nest auf der griechischen Halbinsel Peloponnes fest, welches seine Existenz hauptsächlich dem Kreuzfahrttourismus verdankt, der von hier aus das antike Olympia anfährt. Dementsprechend hatten wir uns für den Landausflug "Olympia und Shopping" (40,- Euro pro Person) entschieden, denn Olympia mit Museum wurde mangels Nachfrage gar nicht mehr angeboten.

Die knapp halbstündige Fahrt führt durch eine monotone Landschaft mit vereinzelten Olivenhainen, bis es plötzlich über einen kleinen Pass in ein schönes grünes Tal hinuntergeht. Schon ist man an den Ausgrabungen angekommen. Zu Füssen des Berges Kronios liegt das Heiligtum, wo die Spiele zu Ehren des Gottes Zeus ab ca. 775 v. Chr. aufgenommen wurden, denn Zeus hatte der Legende nach auf dem Kronios die Entscheidungsschlacht gegen seine göttlichen Rivalen gewonnen, und diese in die Flucht geschlagen. Seit 1875 graben deutsche Archäologen die mit dem Zerfall der griechischen Hochkultur in Vergessenheit geratenen Ruinen wieder aus. Es ist wirklich ein Genuss, durch die heiligen Stätten im Schatten uralter Olivenbäume und Zypressen zu spazieren, auch den wenig Kulturinteressierten wird das gut gefallen. Der Höhepunkt ist sicher das Stadion, 2004 Schauplatz des Kugelstoß- Wettbewerbs der Olympiade in Athen. Der Zeustempel, der Heratempel und das Gymnasium sind auch erwähnenswert, aber am meisten Spaß machte das Herumwandern, und sich vorzustellen, wie alles vor 2000 Jahren mal aussah.

Idyllisches OlympiaZum Shopping ging es ins moderne Dorf Olympia. Unsere Führerin setzte uns sicher nicht uneigennützig vor einem Spezialitätengeschäft ab, welches ausschließlich Bio- Eigenanbau betreibt. Tatsächlich waren die Oliven großartig, und so kauften wir ein. In einem anderen Geschäft erstand ich noch einen "Athens 2004"- Kaffeebecher mit 50% Rabatt, und anschließend ließen wir uns in einem der schönen Gartencafes nieder und genossen einen frischgepressten Orangensaft, den wir beim Frühstück auf der Opera immer vermissten.

Eine Alternative wäre in Katakolon der angebotene Strandausflug, denn die Strände in der Umgebung sind tatsächlich wunderschön. Mit dem Taxi kann man das aber billiger haben. Für Abenteuerlustige stand auch ein Fiat Cinquecento von "Katakolon Rent- a- Car" bereit. Die kleine Häuserzeile am Hafen mit ein paar Geschäften lohnt das Verlassen des Schiffs jedoch kaum.

Am Abend fand dann der Galaabend statt. Kapitän Pontecorvo lud in die Caruso- Lounge zum Welcome- Cocktail ein. Für diejenigen, die auf die Anwesenheit der Offiziere und formelle Kleidung keinen Wert legten, gab es auch im Sotto Vento Pub Prosecco und Canapees. Dennoch befand sich in der Caruso- Lounge ein Zeitgenosse in abgewetzten Jeans und kariertem Hemd, der sich fleißig bei Schaumwein und Häppchen bediente. Generell schenkten die Stewards sehr großzügig aus, und das Publikum (der Altersschnitt lag schätzungsweise bei 40- 45) war bis auf die eine Ausnahme elegant und sehr angenehm. Kapitän Pontecorvo trug seinen Begrüßungsspruch in 6 verschiedenen Sprachen vor, sichtlich stolz, dass ihm das fehlerfrei gelang.

4. Tag: Kusadasi/Türkei

Kusadasi mit Atatürk-Denkmal (im Vordergrund die M/S "Perla", Louis Hellenic Cruises)Nachdem es am Abend zuvor erwartungsgemäß spät (oder eher früh) wurde, buchten wir hier keinen Landausflug, sondern wollten nur durch die Stadt spazieren, etwas shoppen, und zum Kastell Guvntcin Adasi gehen. Leider gelang uns auch das nicht, da die Abfahrt bereits um 12:30 Uhr war. So gingen wir nur an der Kaimauer entlang (um sagen zu können, wir waren in Asien) und begutachteten die MS Aegean I und die MS Perla (letztere machte für ihr Alter einen sehr guten Eindruck). Wenn wir es nicht schon gesehen hätten, wäre der Ausflug ins nahe Ephesus (40,- Euro) jedoch Pflicht. Von den zu besichtigenden Ruinen her betrachtet ist es wesentlich eindrucksvoller als Olympia, da es im Gegensatz dazu in der Antike eine Grosstadt mit rund 100.000 Einwohnern war. Besonders beeindruckt das riesige Theater. Man könnte auch Meryemana, der Legende nach das Wohnhaus der Jungfrau Maria, besichtigen.

Kastell von KusadasiLeider ist die Türkei in letzter Zeit auch das Ziel islamistischer Terroristen geworden. Mit Anschlägen auf touristische Ziele möchte man das Land an einer seiner empfindlichsten Stellen treffen, und so kam es Anfang Juli, wenige Wochen nach unserer Reise, zu einem tödlichen Anschlag auf einen Kleinbus in Kusadasi. Leicht hätte das natürlich auch Kreuzfahrtpassagiere treffen können. Es bleibt abzuwarten, wie die Reedereien reagieren werden, unwahrscheinlich ist es nicht, das zumindest amerikanische Schiffe Kusadasi absagen. Das Sicherheitspersonal von MSC gab mit Bordausweisbildkontrolle und Röntgenuntersuchung zwar sein bestes, der Hafenbereich ist jedoch frei zugänglich. Vielleicht hat sich in der Zwischenzeit von Seiten der türkischen Behörden etwas getan.

Eine besonders schöne Passage erlebten wir nachmittags: Die Meerenge zwischen der türkischen Stadt Cesme und der griechischen Insel Chios.

5. Tag: Istanbul

Sonnenaufgang über dem MarmarameerDer Tag begann mit traumhaften Sonnenaufgang über dem Marmarameer. Die Ankunft in Istanbul sollte man sich nicht entgehen lassen, denn es ist schon einmalig, wie sich die Minarette der Moscheen wie im orientalischen Märchen am klaren Himmel abzuzeichnen beginnen. Als die Opera dann um 7:00 Uhr festgemacht hatte, saßen wir schon beim Frühstück, denn wir hatten viel vor. Bei unserem ersten Aufenthalt vor 5 Jahren mit der Costa Atlantica buchten wir den Standard- Halbtagesausflug mit Hagia Sofia, Sultan- Ahmet- Moschee (auch Blaue Moschee genannt) und großem Basar. Wir waren damals enttäuscht, nicht von der herrlichen Stadt, sondern vom zeitlichen Ablauf, der zuviel Zeit auf dem Basar vorsah. Da wir aber ganz gut ohne gefälschte Louis- Vuitton- Taschen oder Synthetik- Lacoste- Hemdchen leben können, wollten wir dieses Mal unsere Zeit besser nutzen, und ich bereitete mich mittels eines Reiseführers vor, um unseren Landgang in Eigenregie durchzuführen. Ärgerlicherweise wurde die Abfahrtszeit um eine halbe Stunde auf 14:30 Uhr vorverlegt, was wir erst am Vorabend aus dem Tagesprogramm erfahren sollten. Die Geschwindigkeit der Opera erwies sich nämlich im Laufe der ersten Fahrten auf dieser Route mit 21 Knoten als zu gering, um planmäßig am Freitag in Dubrovnik anzukommen.

Süleymanye-MoscheeWir schnappten uns das erste der vielen Taxis, und zur Verwunderung des Fahrers gaben wir als Wunschziel kein Teppichgeschäft, sondern die Moschee Süleymans des Prächtigen an. Nachdem der Preis ausgemacht war (10,- Euro) ging es los. Die Süleymanye- Moschee dominiert die Ansicht Istanbuls, und ist die zweitgrößte der Stadt. Obwohl sie etwas kleiner als die Blaue Moschee ist, halten die Kenner sie für die sehenswertere, denn sie stammt von dem großen Architekten Sinan. Auf jeden Fall liegt sie abseits der gängigen Touristenpfade, denn als wir dort ankamen, das Morgengebet war bereits vorüber, waren wir die einzigen Ausländer. Die Kustoden freuten sich über unseren Besuch, und wiesen uns in perfektem Deutsch auf das Ritual, die Schuhe auszuziehen hin, ebenso höflich wie auf den Spendenkorb, falls uns der Besuch gefallen hätte. Sie schalteten extra für uns die Beleuchtung ein, so das wir den riesigen Raum in seiner ganzer majestätischen Schönheit bewundern konnten.

Nach diesem gelungenen Auftakt gingen wir bergab, die Galatabrücke immer im Blick, zum Gewürzbasar, auch Ägyptischer Basar genannt, im alten Stadtteil Eminönü. Wer einen orientalischen Markt wie aus dem Bilderbuch mit seinen exotischen Düften und Waren sucht, ist hier richtig. Man sollte sich einfach durch die Gassen treiben lassen und die Atmosphäre aufsaugen- wie entfernt einem in diesem Moment der Luxus der Opera doch vorkommt.

Yerebatan Sarayi Zisterne, auch Versunkenes Schloss genanntMit dem Taxi ging es dann weiter in den Stadtteil Sultanahmet, wo sich alle touristischen Hauptattraktionen der Stadt befinden. Wir stiegen am Hippodrom mit seinen Obelisken aus, und bewunderten Hagia Sofia und Blaue Moschee von außen. Für den erstmaligen Istanbulbesuch sollten aber beide unbedingt besichtigt werden, obwohl sie etwas touristischer als unser bisheriges Programm sind. Wir gingen aber weiter zum nahen Yerebatan Sarayi, einer Zisterne aus der Blütezeit des Oströmischen Reiches. Wenn man über eine Treppe das säulengestützte Gewölbe betritt, versteht man warum es die Einheimischen "versunkenes Schloss" nennen. Die stimmungsvolle Beleuchtung, die sich im Wasser spiegelt, und die klassische Musik machen diesen Ort zu einer der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Welt. Am hinteren Ende des Raumes, der während der Jahrhunderte unzählige Erdbeben fast schadlos überstand, befinden sich zwei auf Medusenköpfen ruhende Säulen.

Topkapi-PalastPraktischerweise liegen die Sehenswürdigkeiten hier so dicht beieinander, das es nur ein kurzer Spaziergang zum Topkapi- Palast ist, und die gigantische Warteschlange vor dem Ticketbüro macht deutlich, das er die dritte touristische Hauptattraktion der Stadt ist. Man sollte sich aber nicht abschrecken lassen, denn die Wartezeit (15 Minuten in unserem Fall) lohnt sich. Man muss sich hier entscheiden, ob man "nur" den Palast oder auch die Schatzkammer, wo der berühmte Löffeldiamant und der Topkapi- Dolch ausgestellt sind, sehen will. In letzterem Fall ist ein zusätzliches Ticket nötig (das man wie überall in Istanbul auch mit Euro, EC-, oder Kreditkarte bezahlen kann). Uns reichte für die verbleibende Zeit der Palast allein, denn zunächst war uns nach einer ausgiebigen Pause im Cafe, das einen tollen Ausblick auf den Bosporus mit dem Leanderturm bot. Hier kann man bei zivilen Preisen süße türkische Spezialitäten wie Tee, Reispudding mit Rosenwasser oder Baclava probieren.

Der SommerpavillonDer Topkapi- Palast, für vier Jahrhunderte der Sitz der Sultane des Osmanischen Reiches unterscheidet sich angenehm von der Protzigkeit typisch mitteleuropäischer Paläste. Es dominiert eine verspielte, filigrane Architektur vieler kleinerer Gebäudeteile, die mit wundervollen Majoliken und vergoldeten Kuppeln verziert sind. Unbedingt sehen sollte man den Diwan (Thronratssaal), den Audienzraum des Sultans, mit besonders schönen Majoliken verziert, und die Palastküchen, die heute die Porzellan-, Gewänder-, und Waffensammlungen beherbergen. Den Harem, wo der Sultan Hunderte von Frauen hielt, kann man mittels einer Führung auch besichtigen. Am schönsten ist der Gartenbereich, auch vierter Hof genannt, mit seinen vielen kunstvollen Pavillons und dem Blick über die modernen Stadtteile.

Eine Regel, die weibliche Istanbul- Besucher beherzigen sollten, ist die angemessene Kleidung, um eine Moschee betreten zu können. Mit einer langen Hose oder einem langen Rock, und dazu einem Oberteil, das die Arme zumindest oben bedeckt und keine größeren Einblicke gewährt, ist man gut ausgestattet. Selbst wenn man keine Moschee besichtigen will, wird man (frau) sich so wohler fühlen, vor allem im alten Stadtviertel um den Gewürzbasar. Tadelnde Blicke korrekt verschleierter türkischer Frauen (mit Tschador) werden trotzdem nicht ausbleiben. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich sieht man in den moderneren Stadtteilen auch sehr viele schicke junge Türkinnen. Der Konflikt zwischen den "Traditionalisten" und den "westlich Beeinflussten" in diesem gastfreundlichen Land ist jedoch spürbar.

Majolikakunst im Topkapi-PalastZurück aus dem Palast nahmen wir wieder ein Taksi (heißt hier wirklich so). Diese Fahrten, meistens in alten türkischen Fiat- Lizenzbauten sind in Istanbul ein Erlebnis an sich. Nachdem man sich zuerst mit dem Fahrer über den Preis geeinigt hat, gibt dieser Gas. Man ist erstaunt, was so eine Karre hergibt, und sucht erschrocken nach den Sicherheitsgurten. Gibt es aber keine, also beißt man die Zähne aufeinander und hält es mit der kölschen Devise "et is noch immer jut jejong". Man darf sich auch nicht wundern, wenn ihn während der Fahrt plötzlich der Hunger packt, er vor seinem Lieblingsrestaurant hält, und sich von den verdutzten Fahrgästen höflich verabschiedet. Es kommt ein Kollege aus dem Restaurant, der, etwas genervt weil in seiner Mittagspause gestört, noch mehr Gas gibt. Während er rote Ampeln elegant an den Verkehrsinseln vorbei umfährt und geschickt durch Bushaltestellen donnernd abkürzt, beruhigt er seine Fahrgäste: "Istanbul Superstadt. Istanbuler Taksifahrer auch super!"

Die Hagia Sophia beim Auslaufen aus IstanbulUm möglichst schnell wieder an seinen Mittagstisch zurückzukehren, warf uns unser Fahrer kurz hinter der Galatabrücke an einem baufälligen Terminalgebäude mit der Bemerkung raus, unser Schiff liege, durch das Gebäude hindurch dann links am Kai entlang 2 Minuten entfernt. Tatsächlich stapften wir noch 10 Minuten in sengender Sonne bis wir wieder die Opera betraten. Während das bordeigene Sicherheitspersonal wieder sorgfältig arbeitete, ließ sich von den türkischen Zollbediensteten niemand blicken, um den beim Landgang ausgeteilten "Tagesaufenthaltsausweis" wieder einzusammeln. Offensichtlich sind sie was die Sicherheitslage betrifft auch Optimisten (oder waren es zumindest bis damals). Wir waren uns jedoch einig, das wir uns nie unwohl oder unsicher gefühlt haben, sondern einen einmaligen Tag in einer der schönsten Städte der Welt erlebt haben. Deshalb wollen wir auch jedem an dieser Stelle den Besuch Istanbuls mit einer Kreuzfahrt empfehlen. Es war der Höhepunkt der Reise, und die wunderschöne Ausfahrt sollte ja noch folgen.

6. Tag: Auf See

Besonders viel Spaß machte auf der Opera der Frühsport mit Trainer Vela. Der Tag begann mit einer Runde "Walk- a- Mile" auf Deck 12, danach eine halbe Stunde Stretching gefolgt von einer halben Stunde Aerobic. Dafür war dieser sonnige aber windige Tag ideal. Nachdem der Wind im Laufe des Tages weiter auffrischte, sorgte er für ein ziemliches Durcheinander auf dem Pooldeck. Wir dagegen waren froh über unseren Platz auf Deck 12 am Heck, und genossen die vorbeiziehende Landschaft des Peloponnes und der Insel Kithira.

Nun hatte man auch Zeit, sich Gedanken um das Trinkgeld zu machen. Erfreulicherweise ist es bei MSC noch ein solches und keine Zwangsabgabe. Da auch bei den Getränken keine Servicegebühr dazuaddiert wurde, kamen wir der moderaten Empfehlung 6,- Euro pro Person und Tag gerne nach.

7. Tag: Dubrovnik

"MSC Opera" auf Reede vor DubrovnikHeute musste man früh aufstehen, um sich ein frühes Tenderticket für den Landgang zu sichern. Die Ankunft war für 11:00 Uhr vorgesehen, und die ersten Tender würden Gäste mit gebuchten Landausflügen von Bord bringen. Ich ergatterte Boot Nr. 4, dessen voraussichtliche Abfahrtszeit 12:00 Uhr war. Der Gegenwind gestern war jedoch so heftig, das Dubrovnik gegen 11:00 Uhr erst langsam in Sicht kam, und das Tendern gegen 11:25 beginnen konnte. Unterstützt durch ein großes kroatisches Tenderboot schafften die 4 Boote der Opera die Massen recht zügig an Land und gegen 12:00 Uhr stiegen wir dann ein. Es zeigte sich mal wieder, das in der Bucht von Dubrovnik die Winde kurzfristig stark auffrischen können. So wurde die Überfahrt zwar eine vergnügliche, aber sehr schaukelige Sache.

Stadtmauer mit Onofrio-BrunnenAuf Stadt und Land war ich sehr gespannt, denn es war mein erster Besuch in Kroatien überhaupt. Dubrovnik präsentiert sich nach den Bombardierungen im Jugoslawienkrieg wieder perfekt herausgeputzt. Der Tourismus boomt, denn die Stadt ist selbst jetzt Anfang Juni vollständig ausgebucht, so dass die Passagiere der Opera in dem munteren Treiben kaum auffielen. Viele dürften das große Schiff gar nicht bemerkt haben. Da die Altstadt sehr übersichtlich ist, und ich einen Reiseführer dabei hatte, verzichteten wir auf eine organisierte Führung. Wir gingen zunächst die schöne Hauptstrasse Stradun entlang, um zum Hauptzugang der vollständig begehbaren Stadtmauer zu gelangen. Eine Sehenswürdigkeit, die wohl in jedem Reiseführer steht, denn die Schlange vor der Kasse und das Gedränge auf der Mauer schreckten uns ab. Gut, das sich hier auch das Franziskanerkloster mit einer der ältesten Apotheken der Welt (die übrigens weiterhin in Betrieb ist) und dem Apothekenmuseum befindet. Dieser Besuch war sehr lohnend. Der Onofrio- Brunnen, eine weitere Hauptsehenswürdigkeit, war direkt gegenüber. Die prächtigen Stadtpaläste Sponza und Rektorenpalais besichtigten wir trotz der Kunstmuseen, die sich darin befinden nur von außen, wir hatten mehr Lust durch die Seitengässchen mit ihren geschmackvollen Boutiquen zu streifen. Dennoch zog es uns schon bald wieder zum Hafen, wo auf dem Wasser unsere MSC Opera majestätisch auf Reede lag. Wir fanden sie mittlerweile sogar von ihrer äußeren Erscheinung her schön. Gegen 14:00 Uhr reihten wir uns in die Tenderschlange ein und gegen 14:15 Uhr saßen wir bereits drin. Am Schiff angekommen stellte ich zu meiner Verwunderung fest, das eines der 4 Tenderboote bereits wieder an seinem Platz auf dem Promenadendeck war.

Eine der ältesten Apotheken der WeltDas Le Vele- Buffetrestaurant hatte wie immer seine Öffnungszeit passend zur Liegezeit ausgedehnt. Wir suchten uns einen Platz direkt an der riesigen Glasfläche und genossen beim Essen den Blick auf die wunderschöne kroatische Küste. Der Tendervorgang zog sich jedoch in die Länge. Als letzte Abfahrtzeit war 14:30 Uhr angegeben, und offensichtlich erschien genau dann der Großteil der Passagiere. Nun rächte sich der bereits an Bord gebrachte Tender, und die verbliebenen 3 Einheiten mühten sich mit dem großen kroatischen Boot ab, bis die Opera gegen 16:30 Uhr mit Volldampf Kurs auf Venedig nehmen konnte. Es bleibt bei der nüchternen Erkenntnis, das diejenigen, die möglichst viel Zeit in Istanbul und Dubrovnik an Land verbringen wollen, mit der schnelleren Costa Mediterranea, die konsequenterweise Bari nur als kurzen technischen Halt anläuft, besser bedient sind. Wir beide jedoch wollten zu keinem Preis der Welt mehr tauschen.

8. Tag: Zurück in Venedig

Abschied von der "MSC Opera"Mit dem Bereitstellen der Koffer vor der Kabine konnte man sich erfreulicherweise bis 2:00 Uhr nachts Zeit lassen, so hatten wir noch einen schönen letzten Abend an Bord. Wir waren aber bereits wieder munter, als die Opera morgens um 8:00 Uhr (um diese Zeit hätten auch die Kabinen freigemacht werden sollen, doch unser Steward sagte, er sei flexibel) bei Kaiserwetter in die Lagune von Venedig einfuhr. Diesmal ließ ich den Foto in der Tasche, um das Schauspiel zu genießen, und wir machten es uns ein letztes Mal in der aussichtsreichen Byblos- Disko bequem. Als die Opera dann um 9:00 Uhr vor der Oceania Insignia (Schade, das wir so wenig andere Kreuzfahrtschiffe getroffen haben) festmachte gingen wir erst zum Frühstück in das schon fast leere Le Vele. Die Passagiere waren allesamt schon auf den Beinen und drängten auf die Ausschiffung. Natürlich hatten wir die einstündige Verspätung gestern nicht mehr aufgeholt und dementsprechend später angelegt. Das war grundsätzlich nicht schlimm, aber es erfolgten keinerlei Durchsagen. Für einige, die einen frühen Flug hatten, hätte es unter diesen Umständen eng werden können. Mit einer zügigen Ausschiffung hätte man das Problem entschärfen können, sie war jedoch sehr zäh. Da unsere Ausschiffungskartenfarbe Weiß selbst gegen 10:45 Uhr noch nicht dran war, und es auch keine Möglichkeit gab, an Bord gegen Bares einen Kaffee zu kaufen, da alles geschlossen war, gingen wir einfach so von Bord, da wir um 12:30 Uhr im 50 km entfernten Vicenza eine Verabredung zum Mittagessen hatten. Das war jedoch ein Fehler, denn in der Kofferhalle erwartete uns zu meiner Überraschung ein flughafengleiches Gepäcklaufband, auf dem natürlich nur die Koffer mit der ausgerufenen Farbe durchliefen. Das hatte ich auf einer Kreuzfahrt zum ersten Mal erlebt, und so warteten wir noch über eine halbe Stunde, obwohl wir nicht in der letzten Ausschiffungsgruppe waren. Eigentlich ist das mit dem Band eine gute Idee (und bequem für die Gepäckträger), aber in der Praxis ist die Kapazität einfach zu gering. Die besorgten Mienen des Kapitäns und Hoteldirektors sprachen Bände. Auf unseren Kreuzfahrten zuvor mit teilweise deutlich größeren Einheiten ging es durch die in Farbgruppen aufgestellten Koffer viel schneller. MSC, Nachsitzen! Zu unserer Verabredung kamen wir natürlich zu spät, so war der letzte Eindruck wieder ein negativer.


Fazit

Die MSC Opera trägt ihren schönen Namen zurecht. Wie in einer gelungenen Komposition trifft sie die wesentlichen Töne, auch wenn es zwischendurch mal krächzt. Was MSC aus dem nicht gerade gelungenen Ausgangsprodukt Mistral- Klasse gemacht hat, verdient Hochachtung, denn das luxuriöse Flair der Opera würde auch einem weitaus teureren Schiff gerecht werden. Die Reise bezauberte durch Ihre spezielle italienisch frohe Bordstimmung, die einen über Mängel gelassen hinwegsehen lässt. Ob MSC es schafft, diese Stimmung auch auf den größeren Einheiten zu erhalten, wird eine spannende Frage. Wenn es gelingt, muss sich der große italo- amerikanische Konkurrent warm anziehen. Wie in der guten, alten Kreuzfahrerzeit freute man sich auf jede Mahlzeit, ganz besonders auf das Abendessen. Trotz der Organisations- und Informationsmängel seitens MSC Deutschland ist die Opera objektiv betrachtet ein gutes, und wenn man die Preise berücksichtigt, zu denen sie meistens verkauft wird, sogar ein sehr gutes Schiff. Subjektiv betrachtet bin ich mit großer Skepsis aufgrund des Verhaltens von MSC Deutschland und einiger negativer Berichte auf diese Reise gegangen, aber wir sind restlos begeistert wieder von Bord gegangen und haben uns zu unserer eigenen Überraschung in die Opera verliebt. Italien und Amore gehören eben doch zusammen.


Copyright 2005 © Andreas Halamoda