Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 08.10.2004

Reisebericht


Gerd Ramm
M/S "Delphin", Hansa Kreuzfahrten
24.09. - 03.10.2004, Zauberhafte Ägäis


Die Anreise machten wir mit dem Bus. Da leider kein Bus von Hamburg fuhr, nahmen wir den von Bremen. Er sollte vom ZOB Bremen fahren. Normalerweise ist dieser am Hauptbahnhof zu finden, also gingen wir links hinaus, dort wo Busse und Straßenbahnen abfahren. Nein, dort ist er nicht, er ist am Cinemaxx. Dort kamen wir uns sehr einsam vor , also riefen wir die uns gegebene Notfallnummer an. Es meldete sich leider nur die Mobilbox. Ein Ortskundiger lotste uns "um die Ecke, an der Strasse", hier war die Haltestelle der Firma Spiering. Da muß man erst mal drauf kommen, dass ein Zentralomnibusbahnhof dreigeteilt ist. Eine nähere Angabe "vor dem Lokal zum Küper" wäre hilfreich gewesen. Wir hatten eine gemütliche Busfahrt bis Matrei/Tirol, wo wir in einem guten Hotel übernachteten. Nach einem reichlichen Frühstück gings dann nach Venedig. Das Wetter wurde immer besser und die Laune stieg. Das Einchecken war für Gehbehinderte sehr beschwerlich, wir mussten am Schiff entlang ca 500 Meter zu einer Zollhalle , deren Eingang natürlich auf der anderen Seite war. Hier gaben wir nur die Reisepässe ab und bekamen die Bordkarte. Fröhlich gemischt mit an - und abreisenden Gästen sowie Einheimischen gings zurück zum Schiff. Von ISPS hatte man dort wohl noch nichts gehört. Das Auslaufen sollte um 14 Uhr sein. Der Himmel verdunkelte sich zusehends , Sturm kam auf ,ein Unwetter brach über Venedig herein. Ein Temperatursturz von 24 auf 11 Grad bewirkte, dass 5 Schiffe, so auch wir, Auslaufverbot bekamen. So etwas hatte ich auf den vielen Reisen noch nicht erlebt. Nach 5 Stunden sollte es dann auf die kochende See gehen, man sagte uns am nächsten Tag 9 , in Böen 10 , aber wir sind seefest und überstanden auch diese Nacht.

Wenn der zweite Tag ein Seetag ist, kann man das Schiff so richtig in Ruhe erkunden. Wir hatten die Delphin 1997 in Hamburg besichtigt und sie als gemütliches, pikfeines Schiff mit gutem Essen in Erinnerung. Würde sie noch so sein? Oder ist sie so heruntergewirtschaftet wie die neue Albatros, die wir im Mai genossen hatten? Wir wurden angenehm überrascht. Die Delphin ist nur ein Jahr jünger als die Albatros, aber zwischen Beiden liegen Welten. Waren wir in Punkto Pflege von der Maxim Gorkiy verwöhnt, so wurde es hier noch getoppt. Um eine Roststelle zu entdecken, muß man sehr sehr lange suchen. Das Mobiliar ist gut gepflegt bis neu. Die Liegestühle wurden auf der Fahrt teilweise gegen neue ausgetauscht. Die Delphin ist mit 16 214 BRZ ein, nach den heutigen Begriffen, relativ kleines Schiff. Bei 500 Passagieren hat man nicht das Gefühl, auf einem überfüllten Schiff zu sein. Obwohl auch hier der Virus "Belegewut" grassierte, fanden wir immer einen freien Liegestuhl. Einzigartig ist auch das "Sonnensegel" über dem Pool. Ein überdimensionaler Fingerhut an einem Kran.

Auf diesem Schiff wird die traditionelle Kreuzfahrt gepflegt mit Käptns- und Abschiedsdinner. Das waren aber auch die einzigen Gelegenheiten, an denen ich das silbergraue Jackett mit Schlips anzog. Es herrscht eine legere bis sportliche Atmosphäre an Bord und Smoking oder was man uns immer im Fernsehen weismachen will, ist hier ein Fremdwort. Die Unterhaltung ist auf das überwiegend ältere Publikum zugeschnitten: eine sehr professionelle Tanzgruppe, Gerhard Heitmann mit seinen vielen Instrumenten, den wir auch auf der Albatros im Mai hatten und Anke Hoffmann, die uns mit klassischen Liedern und gehobener Unterhaltungsmusik erfreute. Die Bordband war sehr gut, aber auch sehr laut. Zum Frühschoppen hätte ich mir mehr Stimmungslieder gewünscht. Das Durchschnittsalter der Passagiere dürfte irgendwo zwischen 55 und 65 liegen. Die Delphin ist allen Kreuzfahrern zu empfehlen, die alte Schiffe lieben, die Nachteile eines Altbaus (steile Treppen, niedrige Decken usw) in Kauf nehmen und die traditionelle Kreuzfahrt mögen. Aber ist es nicht immer ein Gänsehautgefühl, wenn das Schiff den Hafen verlässt und die Abschiedsmelodie erklingt, oder wenn die Parade der Eisbombe mit viel Pyrotechnik durch das Restaurant marschiert? Das Essen war von guter Qualität und Auswahl, wenn gleich auch "aus der Mannschaftsküche" Currywurst, Bratwurst und dergleichen angeboten wurde. Wers denn mag.... Schade, dass kein Mittagsbüfett am Lidopool angeboten wurde, schade auch, dass kein Bordprogramm im TV ausgestrahlt wurde wo doch Sonja mit dem unaussprechlichen Nachnahmen, die wir von der Arkona her kennen, an Bord war und ein Vollprofi auf diesem Gebiet ist. Es sind also Kleinigkeiten, die auf diesem Schiff zu bemängeln sind. So z B die Brötchen, die ruhig etwas kleiner, dafür aber krosser sein könnten. Die Crew war sehr professionell und freundlich, wenngleich die Schnapskellner im Restaurant manchmal nervten, ob "meine lieben Gäste" nun einen Vodka trinken sollten oder nicht. Es wurde der Mitarbeiter des Monat ausgezeichnet und so hatte ich das Gefühl, jeder wollte es mal werden. Unsere Tischstewards waren sehr professionell und wenn es mal Unstimmigkeiten gab, hatten wir meistens Schuld. Pro Nase gibt's ¼ Liter Tischwein und Mineralwasser gratis, was völlig ausreichend ist. Mineralwasser wird bereitwillig nachgeschenkt. Die Getränkepreise sind moderat: Mineralwasser 2 Euro, Hefeweizen 2,90, Bier 0,5 2,20, Vodka 2,10, Vodka Lemon 3,20, Bacardi Cola 3,20 um Einiges zu nennen. Ausflüge halbtags Mykene 60 Euro, Ephesus 35, Knossos 45, Achilleion 30, Dubrovnik 25.

Für meine Frau als Delphinliebhaberin ist dieses Schiff eine wahre Orgie in Delphinen . Wohin man schaut auf den Teppichen, an den Wänden in den Gemälden, als Glaswand, nur auf See wollten sie sich partout nicht blicken lassen. Die Kabinen sind ausreichend groß und hervorragend schallisoliert. Wir wohnten hinten auf Deck 3. Es ist natürlich ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Turbinen- und Motorschiff. Als der Käptn versuchte, die verlorene Zeit in Venedig wieder hereinzuholen, also full speed fuhr, klapperte es schon erheblich. Da sind wir von der Maxim Gorkiy verwöhnt. Empfindliche Gemüter sollten weiter vorn buchen. Ein besonderer Spass war der Piratenabend. Es hat einen Gast gegeben, der wutentbrannt aus dem Restaurant lief und sagte: "das muss ich mir nicht gefallen lassen", ein humorloser Kreuzfahrer, wir fanden es toll, wie locker und gelöst unsere Tischstewards waren.

Durch die Verspätung in Venedig schaffte die Delphin den Hafen Nauplia nicht. Das war für uns nicht weiter schlimm, denn wir waren im Mai dort gewesen. Ausweichhafen war Gythion von 16 bis 21 Uhr, der allerdings ein schlechter Ersatz war. Ein etwas heruntergekommener Fischerort, der noch etwas düsterer wirkte, weil Petrus uns von oben begoss.

Der nächste Tag war vollbepackt mit Action. 8 bis 13 Uhr das schöne Santorin. Wir nahmen für 3,50 Euro die Seilbahn, um die armen Esel nicht zu quälen. Wenn das Wasser 24 Grad hat und die Lufttemperatur morgens darunter liegt, hat man auch Nebel, der fast jeden Morgen auftrat. Aber nach kurzer Zeit strahlte die Sonne, die uns bis Venedig begleiten sollte.

18 bis 24 Uhr war Mykonos unser Hafen. Ein griechisches Bilderbuchstädtchen bei Dunkelheit genauso interessant wie am Tage. Griechenland pur trotz der vielen Touristen.

Auch auf dieser Reise sahen wir viele Kreuzfahrtschiffe: Sea Dream, Princess Danae, Wind Spirit, Costa Atlantica Seven Seas Voyager, World Renaissance, Aegaen I, Triton, Voyager, Discovery(ein schöner alter Liner),Astoria, Costa Marina, Minerva II, R Six (Blue Star), The Iris und die Paloma I

Am nächsten Tag hatten wir von 8 bis 19 Uhr den Hafen Kusadasi . Wir machten einen Bummel, wenn auch die Händler nervten. Die könnten viel mehr verkaufen, wenn sie nicht so aufdringlich wären.

Unser Mitreisender (wir reisten zu viert)nahm ein Bad im warmen Mittelmeer und in einem Strandlokal -man spricht deutsch- ließen wir diesen warmen Sommertag auf uns wirken.

Man hätte diesen Hafen auslassen sollen und dafür die Liegezeit in den anderen Häfen verlängern sollen, denn Kreta hatten wir nur von 8 bis 13 Uhr. Ich machte den Ausflug nach Knossos, was schon lange auf meinem "Speiseplan" stand. Eine weitläufige Anlage der minoischen Kultur, wie mag es erst in der Hauptsaison hier aussehen, denn schon jetzt schoben sich Gruppen und Grüppchen durch die Anlage. Schlimmer noch war es im Museum mit einer Wartezeit von über 30 Minuten beim Einlass. Trotzdem ist dieser Ausflug sehenswert für Leute, die sich dafür interessieren.

Ein Wunschziel für uns war und ist Kerkyra oder Korfu. Wir ankerten von 14 bis 19 Uhr dort und machten - natürlich - den Ausflug Achilleion und Mäuseinsel mit. Sisi und Willem zwo hatten schon ein tolles Plätzchen ausgesucht.

In der Vergangenheit hatte ich mich standhaft gewehrt, nach Jugoslawien zu reisen, waren es Vorurteile? Nun kam ich doch dorthin, denn Dubrovnik war unser nächstes Ziel. Von 8 bis 13 Uhr konnten wir die Stadt erwandern, die wirklich bildschön ist. Wir bekamen einen, leider nur kurzen, Einblick dieser sehenswerten Stadt, die meine Vorurteile doch etwas abgebaut haben.

Das Ende der Reise nahte, Venedig im Nebel. Wir waren pünktlich um 8 Uhr am Statione Marittima, wo schon etwas mehr ISPS zu spüren war.

Wenn man allerdings den reedereieigenen Bus um 14 Uhr terminiert und dieser dann auch noch später kommt, sollte man den Passagieren ein Mittagessen anbieten, zumal an der Anlegestelle weit und breit nichts zu holen war. Einige versuchten, in der kurzen Zeit Venedig zu erkunden, kamen aber völlig gestresst fast zu spät zurück. Verspätet ging es dann nach Matrei/Tirol, wo wir wieder übernachteten. Der Fahrer berichtete von einem fürchterlichen Hagelschlag nachdem er uns auf der Hintour abgesetzt hatte. Er parkte den Bus unter einer Baumreihe, weil er Angst um die Frontscheibe hatte. Die Heimreise am nächsten Tag zog sich ellenlang dahin. Stauland Deutschland. Da wir, wie auf der Hintour, in Frankfurt Gäste absetzten, verzögerte das auch noch die Heimreise. Von 7,30 Uhr bis 23,30 Uhr waren wir auf Achse und froh, wieder zu Hause zu sein. Beim nächsten mal fliegen wir wieder, das geht schneller.

Trotz einiger Kritikpunkte war es eine sehr schöne, ereignisreiche Reise, von der man sagen kann, sie war total ihr Geld wert, was ja nicht immer der Fall ist. Die Delphin ist eins der schönen alten Schiffe mit viel Flair und in einem tadellosen Pflegezustand mit sehr freundlichem und hilfsbereiten Personal. Allzeit gute Fahrt Delphin, es wird nicht unser letzter Besuch sein.


Copyright 2004 © Gerd Ramm