Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 09.06.2004

Reisebericht


Udo Langescheidt
M/S "Costa Classica", Costa Crociere
15. - 22.05.2004, Westliches Mittelmeer


Der Einfachheit halber und aufgrund der Tatsache, dass beide Reisen zeitlich sehr nahe beienander liegen, beziehe ich mich in meinem nachfolgenden Bericht auf den Reisebericht von Stefan Schöner auf dem selben Schiff. In den Fällen, in denen ich anderer Meinung bin als er, werde ich dieses ensprechend mitteilen. Generell kann ich seine Angaben aber bestätigen.

Am Samstag, 15.5.2004, nach einer Zwischenübernachtung am Comer See, erreichten wir mit dem PKW gegen 11.30 h Savona und 20 Minuten später aufgrund einer ausgezeichneten Beschilderung das Hafenterminal. Innerhalb von max. 10 Minuten wurden wir von freundlichen Costa-Mitarbeitern/innen eingewiesen, unser Gepäck ausgeladen und unser PKW "entführt". Wir hatten nun gute 2 Std. Zeit bis zum Eincheck-Zeitpunkt, konnten uns noch etwas von Savona ansehen und danach das wirklich sehr schöne Terminal besichtigen (günstiger Cappuccino und kostenloser Internetzugang für Crewmitglieder und Passagiere). Eine Eincheck-Nummer hatten wir bereits bei der Kofferabgabe erhalten, sodass wir uns um weiter nichts kümmern mussten. Es waren jedoch genügend freundliche Hostessen im Terminal und an einem Info-Schalter, für den Fall da jemand Fragen hatte.

Als wir dann neben dem Schiff standen, das wir vorher schon von überall her sehen konnten, waren wir doch über die enormen Ausmaße überrascht. In unserer Kabine empfing uns dann gleich ein ebenfalls sehr freundlicher Kabinenstewart samt unseren Koffern und gab sofort entsprechende Informationen. Wir haben generell festgestellt, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen (einige Mitglieder der Schiffsführung "vergaßen" regelm. das Grüßen) das Personal in allen Bereich höflich, zuvorkommend und auch kompetent war.

Die Aussagen zum Schiff kann ich bestätigen, lediglich bei den als "schmutzig-grün" und "schmutzig-gelb" bezeichneten Treppenhäusern sind wir der Meinung, dass es sich hier um die im Mittelmeerraum gängige Art der Wanddekoration handelt. (Geschmacksache)

Dieselqualmschwaden haben wir nicht festgestellt und auch keinen Zigarrenqualm im Theatro Colosseo. Ebenfalls keine Gerüche in der Kabine, die Klimaanlage war auch zu regulieren, jedoch nicht abzuschalten. Mitreisende jedoch haben sich in der ersten Nacht durch einen Techniker die Klimaanlage stilllegen lassen. Aussenkabinen Deck 6 sind für 2 Personen - 1 Woche ok.

Bei der Passage von Messina in Richtung Palermo kamen Wind (ich tippe auf max. Windst. 4 - keine Schaumkronen) und Wellen von Steuerbord. Das gefiel unserm Schiff ganz und garnicht, die Costa Classica begann ordentlich zu rollen. Bezüglich der Verpflegung stimme ich Stefan erneut zu. Das Essen im Restaurant war ausgezeichnet, auch haben wir weder bei Fisch noch bei Fleich etwas zu bemängeln gehabt. Nicht trocken - nicht zäh, wirklich gut. Anders das Frühstück und Mittagessen im Selbstbedienungsrestaurant: Dies hält, was die Qualität und Auswahl betrifft, 4 bzw. 5 Sterne Hotelanlagen im Mittelmeerraum (geschweige Deutschland) keinesfalls stand.

Die Shows im Colosseo haben wir an allen Abenden als durchaus professionell empfunden. Die Animation am Vor/Nachmittag dagegen war schon eher primitiv. Hier merkte man dann auch, dass man sich auf einem italienischen Schiff befand. Bei Poolspielchen oder auch anderswo fand jeweils eine "Fiesta Italiana" statt, mit sehr ausführlicher und lauter "Ansprache". Übersetzungen in andere Sprachen gab es nur in abgespeckter Form.

Wobei wir bei dem in Stefans Bericht schon angesprochenen Publikum wären: Ganz so extrem wie er haben wir es nicht erlebt, aber wenn ein Schiff mit 1200 Passagieren belegt ist, hiervon 65% Italiener - 15% Franzosen - 10 % Spanier und der Rest deutsch-und englischsprachig ist, muß man wohl davon ausgehen, dass es "etwas" lauter zugeht. Wenn man nicht standfest genug war, konnte es passieren, dass man beim Buffet durch Rempelein schon einmal das Gleichgewicht verlor. An der Rezeption zuckte ein Angestellter entschuldigend mit den Schultern und versuchte mit dem Ausdruck "Italian Style" zu entschuldigen, dass sich eine ältere italienische Dame rigoros vordrängte. Aussergewöhnlich fand ich auch die Gruppen jugendlicher Mitreisender, die häufig alkoholisiert durch die Gegend liefen, sich an den Spieltischen im Casino vergnügten, beim Essen immer wieder auffielen und selbst beim Galabuffett in Trainingsanzügen erschienen - und immer recht lautstark auftraten.

Die Höhe der Tringeldabbuchung hat sich scheinbar in den letzten Wochen geändert. Man bucht momentan € 6,00 pro Tag/Pers. ab, weist jedoch in der täglichen Zeitschrift darauf hin, dass eine Änderung jederzeit möglich ist.

Zum Thema Ausflüge/Landgang noch Folgendes: Wir haben einen Ausflug (zum Ätna) mitgemacht, sind einmal (Tunis) an Bord geblieben und sind ansonsten auf eigene Faust losgezogen. Dies lag nicht zuletzt an den recht hohen Kosten (ca. € 50,00 pro Pers) und der Aussage einiger Mitreisender, dass die Stadtrundfahrten eher bescheiden waren. Sehr gut angenommen wurden Shuttle-Busse, die Costa in Valencia und Marseille zur Verfügung stellte. Diese fuhren innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens regelmässig vom Schiff zur Innenstadt und zurück. Die € 4,00 hierfür waren gut angelegt.

Mein Fazit dieser Kreuzfahrt: Insgesamt sicherlich eine sehr schöne Art zu reisen. Generell überlege ich aber, ob ich es mag, mit 500 Leuten gleichzeitig zu Abend zu essen. - Ob ich das Gedränge am Buffett brauche. - Ob ich es mag mich am Pool-und Sonnendeck nicht bewegen zu können, weil die Liegen so nah aneinander stehen. Ich werde hierüber sicherlich noch einige Zeit nachdenken müssen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass eine Kreuzfahrt mit Schiffen ab 4 Sterne aufwärts doch anders und möglicherweise angenehmer ist.


Copyright 2004 © Udo Langescheidt