Das RuderhausE-Mail: Raoul Fiebig
Zuletzt aktualisiert: 24.02.2005

Reisebericht


Stefanie Ramm
M/S "AIDAcara", AIDA Cruises
28.01. - 04.02.2005, Westliches Mittelmeer


Hallo Ihr erfahrenen Kreuzfahrer,

hier schreibt eine unerfahrene Landratte, der schon beim zwanzigminütigen sitzen auf der Hollywoodschaukel schwummerig wird. Wer also behauptet, diese großen Pötte von Kreuzfahrtschiffen schaukeln nicht, dem glaube ich kein Wort mehr! Wir hatten zwar nur max. Windstärke 7 und der Kapitän ist immer sehr schön mit den Wellen gefahren und nur bei der Anfahrt auf Barcelona quer zu den Wellen, aber trotzdem merkt man, daß das Schiff vor und zurück schaukelt und ich das Gefühl hatte, mein Hirn schwabbert hin und her.

So, nun aber mal vorweg: ICH BIN BEGEISTERT !

Es fing an mit einem schnellen Check-In am Hamburger Flughafen, super Flug, schnelles Auschecken in Palma de Mallorca, die Koffer kamen zügig, der AIDA-Schalter war gut sichtbar am Ausgang, die Dame bat uns kurz zu warten und zack zack kam der Bus, Koffer verladen und ab zum Schiff! Da lag sie, größer als ich dachte (ist schließlich mein erstes Kreuzfahrtschiff und ein kleiner Unterschied zu den Dänemarkfähren bzw. Butterdampfern), schneeweiß, blaue Welle und vielversprechender Kußmund! Da murmelte mein Bauch: Da willst du wirklich rauf, eine Woche Wind und Wasser und auf Gedeih und Verderb einem Menschen ausgeliefert, der goldene Streifen auf der Schulter trägt ?! Ok, es gab kein zurück mehr, schließlich will ich als die kleine Tochter (32 Jahre) nicht kneifen und gehe mutig und stark mit meinem Bruder (36 Jahre), meiner Mami (58 Jahre), meinem Papi (66 Jahre) und meinem Liebsten (38) zum AIDA Chek-In. Schnell, freundlich, per Du, kurzes Foto, zack habe ich meinen Eintrittschlüssel bzw. mein Zahlungsmittel. Dann gab es ein fröhliches Hallo von den verkleideten Scouts, die Ladys bekamen eine AIDArote Rose, kurzes Begrüßungs-Gruppen-Foto und wir waren auf dem Schiff ! Die Kabinen waren leicht zu finden, da die Beschilderung des ganzen Schiffes total übersichtlich und farblich gekennzeichnet ist. Jedes Deck eine andere Farbe und an jedem Fahrstuhl ein klare Übersicht der verschiedenen Decks mit Restaurantnamen bzw. Fitneßfelsen oder Bar. Die Fahrstühle waren zwar etwas nervig, da man ewig auf sie warten mußte oder auch manchmal den Spaß hatte, darin stecken zu bleiben, aber mit einer freundlichen Stimme schnell wieder befreit wurde.

Die Innenkabinen sind klein aber fein, gute Betten/Matratzen, endlich mal keine müffelnden Kopfkissen oder Zudecken, weiche frische Handtücher und eine saubere Dusche/WC. Wenn das Schiff im Hafen war, müffelte es leider aus den Abflüssen und dadurch kam einem ein ungenehmer Duft entgegen, je tiefer man unter Deck ging. Die Klimaanlage auf dem gesamten Schiff ist wohl auch auf Hochsommer eingestellt, denn kälter als 22°C wurde es nicht in der Kabine und daß, wo ich so gerne bei geöffnetem Fenster und kalter, frischer Luft schlafe. Naja, so hatte ich wenigsten eine gute Ausrede für meine verquollenen Augen: lag natürlich an der warmen, stickigen Luft über Nacht und nicht daran, daß ich jede Nacht nur 5 Stunden geschlafen habe....und gerne noch viel mehr erlebt und mitgemacht hätte !

Ich fand es sehr schön, daß wir jeden morgen gegen 8 Uhr an den Häfen Malaga, Cartagena, Valencia, Barcelona und Palma angelegt haben, so konnte ich täglich den Sonnenaufgang bewundern und habe einen frierenden Kapitän bei 4°C Außentemperatur bibbern sehen und Guten Morgen wünschen können. Auf meine Bitte an Kapitän Leitzsch, doch bitte nicht ganz so pünktlich anzulegen, damit ich auch mal die Hafeneinfahrt mitbekomme, wenn ich schon um 6:30 an Deck stehe, meinte er ganz trocken: Na, ich muß doch auch früh aufstehen ! Recht hat er ja und so konnte ich den ganzen Tag voll genießen. Es gibt nichts schöneres als nach gut einer Stunde durchgefroren ins überheizte Schiff zu gehen und ein ausgiebiges leckeres Frühstück zu genießen. Ich wußte gar nicht, welche Teesorte ich zu erst probieren sollte und esse ich nun den Preiselbeer-Lachs oder doch lieber die Himbeer-Teilchen, Croissants oder eine Scheibe Mehrkornbrot mit kräftigem Schinken, wie es Kapitän Leitzsch an diesem eiskalten Morgen tat.

Tagsüber war genaue Zeitplanung erforderlich, damit alle Termine gut miteinander harmonierten! Schließlich möchte man nach einem Ausflug noch Mittagessen können und nicht, daß es sich mit meinem Pilates oder Yogakurs kreuzt. Der Fitneßfelsen ist wunderbar aufgebaut, es fließt ineinander über aber keiner stört den anderen. Man kann seine Hanteln stemmen und den Mädels bei Step-Aerobic zu schauen und beim Fahrradfahren oder auf dem Laufband genießt man die herrlich Aussicht auf den Hafen oder aufs Wasser. Der Innen-Whirlpool ist genau richtig zum entspannen und um die malträtierten Muskeln zu lockern.

Überall trällert Hintergrundmusik, die ruhig in den Innenräumen etwas leiser sein könnte (ich möchte schließlich meine Mama nicht immer anschreien müssen) und auch die Live-Musik könnte ein klein wenig unaufdringlicher sein. Schade ist auch, daß es abends nicht eine Möglichkeit gibt, ohne Musik zu sitzen, außer natürlich draußen, aber das ist im Januar bei 10°C ja nicht jedermanns Sache. Auch die Bibliothek dürfte sich nicht Bibliothek nennen, denn die 20 Bücher und die nicht leise Umgebung ist ein Hohn. Abendlich Shows im Theater waren frisch, flott, modern, mit guten Darstellern und interessanten Sing-Stimmen. Die Disko war natürlich ab 23:30 h geöffnet und hoffnungslos überfüllt, da ja keiner draußen an Deck tanzen wollte.

Das Publikum war sehr gemischt: Ältere Herrschaften, die daran zu erkennen waren, daß sie wie aufgeschreckte Hühner eine halbe Stunde vor Eröffnung der Restaurants scharrend vor der Tür standen und erbarmungslos jeden vor dem Büfett niedergetrampelt bzw. umgerannt haben. Sollte man sich außerdem auch noch auf deren Lieblingsplatz gesetzt haben, wurde man tatsächlich mit Sprüchen: "Daß ist unser Tisch" angezickt. Ich dachte immer, im Alter wird man ruhiger, aber na ja. Es waren auch junge Familien mit kleinen Kindern und natürlich auch viel unsere Altersklasse als Paar aber auch mit einigen Singles vertreten.

Die Crew war ausgesprochen freundlich, fröhlich, höflich, leider nicht immer deutschsprechend, aber offen für unser lustiges "englisch for runaways" und zumindest wurden wir immer mit dem verwöhnt, was wir gewünscht haben. Die Animation war unaufdringlich, bot aber jederzeit die Möglichkeit, aktiv zu sein und sich einer Gruppe anzuschließen. Die zeitliche Aufteilung war auch recht gut, die vielen Menschen auf dem "kleinen" Schiff waren gut verteilt. Das Essen war reichlich, kreative Gerichte und optisch schöne Darbietung, der Tischwein war "Sodbrenn-frei", das selbst hergestellte Schiffswasser war gut bekömmlich und sollte man mal etwas nicht probieren können, hatte man einige Tage später bei einem anderen Themenbüffet die Gelegenheit dazu. Die Speisen waren kräftig gewürzt, mit Knoblauch wurde nicht gespart (mmmhhh lecker !) aber es war nie versalzen ! Und auch die Grünfutter-Fans konnten sich ausreichend austoben: Salat in jeder Variation, verschiedenes Obst und auch immer interessante vegetarische Gerichte und wirklich schmackhafte Diabetiker Nachspeise. Die Filipinos waren schnell und flott bei der Arbeit und ließen sich auch von hektischen Kaffee-Nachschub-rufen nicht aus der Ruhe bringen und vor allen Dingen nie den Humor verlieren.

Bei den Ausflügen war ich von den verschiedenen Treffpunkten der einzelnen Gruppen und von der Entspanntheit der Scouts begeistert. Die Sicherheit wurde groß geschrieben. Es war immer ein Busfahrer, ein Reiseleiter und ein Scout mit Notfall-Rucksack und Walki-Talki dabei und wir fühlten uns gut versorgt, transportiert und informiert. Selbst als alleinreisende Lady würde ich mich wohl fühlen !

Was soll ich noch sagen: Urlaub mit AIDA ist ein rund-um-sorglos-Paket. Es hat alles geklappt, es war von allem abwechslungsreich und im Überfluß da (sogar eine Wolldecke und extra Handtuch fürs Pooldeck), im geheizten Mittelmeer-Pool baden (leider nicht immer geheizt) und die Buchstaben haben recht:

A = abnehmen
I = ist
D = danach
A = angesagt

Ob ich Herrn Pechbrett meine Weight Watchers Rechnung schicken kann ?

Lieben Gruß

S.Ramm

P.S.: Die AIDA wird mich garantiert irgendwann mal wieder sehen !!!!!


Copyright 2005 © Stefanie Ramm